
Früher als in den letzten Jahren, in Woche 6, sind die Miami Dolphins in der Bye week der 2026er-Saison angekommen und es bietet sich nach fünf Spielen die Möglichkeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Zwar ist damit erst knapp ein Drittel der Saison gelaufen. Dennoch lassen sich erste Erkenntnisse zur Arbeit des neuen Head Coaches, des Coaching Staff allgemein, der Rookies und Neuzugänge treffen. Nicht alles ist dabei so negativ, wie es die Bilanz von 0 Siegen und 5 Niederlagen vermuten lässt. Aber beginnen wir zunächst mit dem Offensichtlichen
Die Offensive strugglet – oder etwa doch nicht?
Die Dolphins haben lediglich in einem der fünf Spiele über 13 Punkte erzielt. Zwei mal 13, zwei mal zehn und am letzten Sonntag 24 Punkte – 14 Punkte im Schnitt. Damit liegen die Dolphins aber immer noch vor den Titans, deren Offense ähnlich performt wie die aus Miami. Nicht umsonst liegt das Team rund um QB Cam Ward mit dem gleichen Record auf Platz 32. Das Team aus Tennessee hat aber eines voraus: Gegen die Eagles erzielte man in Woche zwei den ersten TD des Spiels. Bei den Miami Dolphins ist das deutlich anders: Sie haben in dieser Zeit nicht ein einziges Mal in Führung gelegen (sie hätten, wenn Chris Bells Schuhe eine Nummer kleiner gewesen wären, aber das gilt leider nicht). Anders sieht das bei den offensiv erzielten Yards aus: hier belegt man in der Liga sogar Platz 28! Dies liegt eher weniger am passing game der Fins, welches sich noch schlechter als das der Titans darstellt und auf Platz 32 rangiert. Das liegt – trotz der Verletzung von Star-RB Devon Achane – in erster Linie am offensiven Laufspiel. 633 rushing Yards sind oberes Liga-Mittelfeld (Platz 11). Besonders Ollie Gordon und der Schmalspur-QB Malik Willis tun sich hier hervor. Dabei ist man mit lediglich 130 rushing attempts weit entfernt von der Liga-Spitze; diese erreicht man allerdings bei der rushing average. Stolze 4,9 Yards pro Lauf katapultieren die Dolphins in dieser Statistik auf Platz 5 – und apropos fünf: diese Anzahl an rushing TDs ist innerhalb der Liga auch absolut konkurrenzfähig. Dies sieht an anderer Stelle dann wieder anders aus…

The same procedure as every year, die O-Line ist miserabel – oder etwa nicht?
Spricht man über die Erfolge des Laufspiels, kommt man an der Leistung der Offensive Line und ihrer Beurteilung nicht vorbei – in den letzten Jahren leider, aber 2026? Patrick Paul, Austin Jackson, Aron Brewer und Rookie Kadyn Proctor standen in 100% der offensiven snaps auf dem Feld, im letzten Spiel nahm darüber hinaus Jarrett Kingston und Caedan Wallace 2nd year player Jonah Savaiinaea einige snaps ab. Dies ist aber die starting Line der Miami Dolphins – und siehe an: sie sind nicht sooo schlecht. Sie hatten es in den bisherigen Spielen mit Maxx Crosby, Dexter Lawrence, der D von Brian Flores sowie den Chiefs und den 49ers zu tun; also alles andere als Laufkundschaft. So ist es bemerkenswert zu sehen, dass Paul (2 sacks allowed), Brewer (0), und Proctor (1) gute Leistungen abliefern und sich auch mit den Flaggen (zu dritt insgesamt 10 in fünf Spielen) – Paul hat vier, Brewer und Proctor je drei – in einem guten Bereich bewegen. Patrick Paul (Pass block: 23./run block 43. von 72), Kadyn Proctor (bei den Guards 39. im pass block und 22. im run block, insgesamt 30. von 75) und Aron Brewer (bei den Centern 8. von 34; pass block „nur“ 26., dafür drittbester run blocking Center der NFL) sind auch gut bis sehr gut im Liga-Vergleich gerankt. Jonah S. strugglet ein bisschen, aber hier ist eine Entwicklung erkennbar. Bei 75 Guards ist er nicht mehr der Schlechteste wie letztes Jahr, sondern zwischen 50 und 60. Das ist nicht gut – eine positive Entwicklung ist aber erkennbar. Generell gilt dies aber für die rechte Seite im Vergleich zur linken Seite nicht. Denn als LT spielt Austin Jackson. Der 27-Jährige dürfte in sein letztes Jahr bei Miami gehen. Noch nicht mal wegen seines run blockings, dass bewegt sich als 57.bester Tackle sogar noch auf einem gewissen Niveau. Sein pass blocking und seine Agilität bzw. auch Disziplin lassen aber stark zu wünschen übrig. Er alleine ist für vier Penalties und drei Sacks verantwortlich. Damit ist er schlechter als Patrick Paul und sein Gesamt-Grade bei PFF sieht ihn als 71.besten Tackle der Liga – von 72. Mit zusätzlich 19 Pressures ist er damit mit das Schlechteste, was die NFL hier zu bieten hat. Wäre ich Gegner der Fins, ich würde den Druck immer über die eigene linke Seite schicken und das Matchup mit Sava oder Jackson suchen. Aber – und auch hier muss man eine Lanze für die offensive Linie brechen – sie verschaffen dem QB ausreichend Zeit zum Werfen. Malik Willis ist der QB, der am drittmeisten Zeit hat, seine Pässe loszuwerden. Die über 3,1 Sekunden werden nur durch Sam Darnold und Caleb Williams überboten, so Nexxt Gen Stats. Womit wir dann bei dem Elefanten im Raum wären: Malik Willis.

Die Antwort auf die leidige QB-Frage: Ist es Malik Willis – und was ist er?
Zunächst mal das Positive vorne weg: Wir haben mit Malik Willis einen starting QB, der von der O-Line Zeit bekommt. Einen mobilen QB, der auch scramblen und laufen kann. 186 Yards und zwei TDs hätte man wohl von den letzten Spielgestaltern der Miami Dolphins nicht erwarten können. Er hat in der letzten Woche (manche würden garbage time unken) durch seine 74 Yards-Performance einen Franchise-Rekord aufgestellt und Ryan Fitzpatrick abgelöst – jaaa, genau! Fünf Sacks in den letzten drei Wochen sind nach 5 gegen Vegas und 4 gegen Dan Francisco auch positiv zu bewerten; er ist in der Lage sich vor dem ein oder anderen „Einschlag“ mit den Füßen zu bewahren. ABER – und jetzt folgt das große Aber: sein Pass-Spiel ist nicht gut und war gegen die Bengals miserabel und grausam. ESPN hat ihn dabei gar nicht sooo schlecht, da ist er auf Platz 25 der NFL. Sein allgemeines QBR ist allerdings das Schlechteste der Liga. Mit seinem Rating von 68.4 ist er sogar hinter Justin Herbert, Daniel Jones und Cam Ward – teilweise deutlich. Zehn Turnover-worthy plays hat er auf seiner Habenseite stehen, hier sind nur Bo Nix und eben Herbert mit mehr belastet (11 bzw. 13); mit vier INTs und fünf Fumbles hat er ja auch schon neun Turnover kreiiert. Generell wirkt er aber sehr unsicher und fahrig. Auf der einen Seite unterstreicht das seine Completion percentage von 56,2% – Letzter in dieser Saison. 73 von 130 Würfen fanden lediglich den eigenen Mann. Der Liga-Durchschnitt liegt knapp 8 bis 9 Prozentpunkte darüber. Aber das ist nicht mal alles: er übersieht freie Receiver, er trifft zu langsam und dann auch falsche Entscheidungen und es hat den Eindruck, dass er einige seiner Pass-Empfänger nicht wirklich eingebunden bekommt. Wenn der beste TE, Greg Dulcich, in drei von fünf Spielen auf max. drei Targets kommt, nimmt sich die Offense eine Option. Wie bei „Dulle“ auch, ist das Kansas-Spiel genauso für Chris Bell eine Ausnahme gewesen. Bei ihm sieht die Sachlage nämlich ähnlich aus. In vier Spielen acht targets mag an der schlechten und nur geringen Trainings-Zeit der beiden miteinander liegen – Miami nimmt sich damit aber eine theoretische Stärke und macht sich ausrechenbar. Wenn 36 von 130 Targets auf einen Spieler entfallen (Malik Washington) und die weiteren Pass-Empfänger dahinter nur drei targets pro Spiel erhalten, macht es das doch recht simpel zu verteidigen.
Das alles führt zu der Einschätzung, dass Willis nicht der zukünftige starting QB der franchise sein wird. Eine Evaluation seinerseits aufgrund der schlechten Mitspieler war befürchtet worden – andersrum wird ein Schuh draus. Mittlerweile stellt man sich die Frage, ob eine faire Beurteilung von Coleman, Bell oder Douglas möglich scheint, wenn Malik Willis under Center spielt. Da muss in den nächsten Spieltagen deutlich mehr kommen. Nicht umsonst entstand nach dem letzten Heimspiel auch der Tenor, dass Miami das Spiel mit einem Top 20-QB der NFL statt Willis durchaus hätte gewinnen können.

Offensives Fazit
Natürlich schmerzt die Verletzung eines Devon Achane die Miami Dolphins sehr. Sein Vertreter, Ollie Gordon, zeigt aber seine Stärken auf und macht deutlich, dass er in Kombination mit Achane in den nächsten Jahren ein gefährliches Duo in der Liga bilden kann. Die WR zeigen Ansätze; trotz der Leistungen von Malik Washington scheint es hier aber noch an einer klaren primären Anspielstation zu hapern, wie sie z.B. die Bengals haben. In der Offensive Line ist das Gefälle zwischen der rechten und linken Seite offensichtlich und augenscheinlich. Zumindest die Personalie RT wird man nach der Saison auf jeden Fall auf dem Zettel stehen haben und angehen. Plus natürlich das ewige Leid mit dem starting QB. Ein Malik Willis hat bis zur bye week dankenswerter Weise die Frage nach seiner Tauglichkeit – zumindest vorerst – beantwortet. Hier dürfte man sich anderweitig orientieren. Abgesehen von diesen „Themen“ aber haben gerade auch die Rookies bereits erste Ansätze gezeigt, dass keiner von ihnen vollkommen abfällt und nicht zumindest erste flashes zeigen konnte. Da fehlt es dann natürlich nur mal wieder an einem Quarterback und die Suche dürfte auch über Malik Willis hinaus weitergehen. Es sei denn, er zeigt in den weiteren 12 Saison-Spielen ein deutlich verbessertes Bild. Davon ist aber nur bedingt auszugehen


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