
WAS: NFL Season 2026, Spieltag 1 – Miami Dolphins @ Las Vegas Raiders
WANN UND WO: Sonntag, 13. September, 22:25 Uhr deutscher Zeit, Allegiant stadium, Las Vegas/NV
WIE ZU SEHEN: Der klassische Weg ist weiterhin der NFL GamePass
Am Sonntag geht es nach einem halben Jahr für die Miami Dolphins also wieder zu einem „ernsthaften“ Football-Spiel. Zum Season opener sind die Spieler von Neu-Trainer Jeff Hafley bei den Las Vegas Raiders von Klint Kubiak zu Gast. Bei diesem „Debütanten-Ball“ treffen zwei neue Übungsleiter mit ihren Teams aufeinander und so richtig weiss niemand, wo die Reise hin gehen wird. Während bei den ehemals in Oakland beheimateten Spielern in Schwarz die Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison zumindest vorhanden ist (zumeist werden dem Team aus Sin City so um die sechs Siege zugetraut), geht es bei den Miami Dolphins augenscheinlich nur darum, wie wenige Siege herauskommen werden. Die Record-Vorhersagen unterbieten sich da der Reihe nach und von null bis maximal vier W´s in der Saison ist alles dabei. Da kann man schon wehmütig werden und das Lied-Zitat. „wohin die Reise geht, ist ungewiss – nimm mich, wenns geht, nicht mit, Kapitän“ ist für viele Fans der Miami Dolphins emotionales Programm – insgeheim haben bereits viele diese Spielzeit als „erster Teil des Rebuilds“ unter „das wird eh nichts“ verbucht.
Historisch spricht zumindest nicht ganz so wenig für einen Sieg der Miami Dolphins. In insgesamt bisher vierzig Duellen mit den Raiders, wo sie denn auch immer zwischenzeitlich beheimatet waren, ist die Serie zwar ausgeglichen – und damit ist vollkommen ausgeglichen gemeint. In den letzten Jahren und in diesem Jahrtausend sieht die Bilanz bei 16 Begegnungen aber wesentlich besser aus. Lediglich vier Siege stehen für den Gastgeber vom Sonntag zu Buche, während die Dolphins-Siege zweistellig sind. Allerdings ging das letzte Duell bei den Las Vegas Raiders im Jahr 2021 in der Overtime mit einem Heimsieg zu Ende. Jacoby Brissett und Derek Carr hießen die Quarterbacks, von den Spielern der Miami Dolphins, die dieses Spiel bestritten haben, sind nur noch Austin Jackson und Zach Sieler übrig geblieben. So gesehen hat diese ganze Historie ohnehin noch weniger Relevanz als in anderen Duellen in der AFC.

Letzten Endes hat sich in dieser Offseason rund um das HRS ja auch so einiges getan. Viele Spieler aus dem vergangenen Jahr sind nicht mehr da, Head Coach und General Manager wurden gewechselt – ebenso sieht es für das Coaching staff generell aus. Als Beispiel: wenn man der depth chart in der Offensive glauben möchte, sind „nur“ vier Spieler neu – auf den zweiten Blick werden aber im Vergleich zum letzten Saison-Start sechs Positionen (QB, WR1 und 2, TE, LG, RG) verändert worden sein. Das sieht in der Defense ein bisschen weniger neu aus. Aber auch da waren die Abgänge ja durchaus bemerkenswert. Kein Bradley Chubb mehr da, kein Minkah Fitzpatrick, kein Tua, kein Hill, kein Waddle…letzten Endes das Ding ein mal auf links gedreht. Kurzes Zahlenwerk dazu: Der Alters-Schnitt liegt bei 25,5 Jahren und ist damit deutlich das jüngste roster der gesamten Liga. Lediglich zwei Spieler – DT Zach Sieler und Punter Bradley Pinion – sind über 30, die 1st round-Rookies Kadyn Proctor und Chris Johnson beide erst 21 Jahre jung. Lediglich 17 der 53 Spieler haben mehr als drei Jahre NFL-Erfahrung, Miami geht zudem mit 13 Rookies in die Saison, . Dazu kommen etliche weitere Neuzugänge, es wurde kaum ein Stein auf dem anderen gelassen, das neue Regime von Jon-Eric Sullivan hat viele externe „Aufbauhilfe“ hinzu gezogen.
Geblieben sind im Wesentlichen Devon Achane, Jordyn Brooks, Zach Sieler, Aaron Brewer oder Patrick Paul. Nicht umsonst wurden diese Spieler – die „Cornerstones“ des Neuanfangs – auch zu den Team Captains gewählt. Sie werden lediglich durch den neuen QB Malik Willis ergänzt.

Apropos Quarterbacks und damit (endlich?) zum Spiel gegen die Raiders. Auf beiden Seiten wird es neue Ball-Verteiler geben, die Ausgangs-Lagen könnten dabei unterschiedlicher kaum sein. Auf der einen Seite der 27-Jährige Malik Willis, der es in der NFL gerade mal auf 22 Spiele in vier Jahren (davon sechs starts), keine 550 snaps und 155 Pass-Versuche bringt. Darüber kann ein Kirk Cousins auf der Gegenseite natürlich nur müde schmunzeln. Der 38-jährige Veteran hat sich gegenüber dem 1st overall Pick des letzten Drafts, Fernando Mendoza, durchgesetzt und wird gegen Miami starten. Es wird sein 175. Karriere-Spiel werden, von denen er nur sieben NICHT gestartet hat. 14 Jahre NFL, beinahe 5900 Pass-Versuche uvm. – „Captain Kirk“ hat bei Washington, den Vikings und Atlanta schon verdammt viel gesehen und man weiss so ziemlich genau, was man von ihm zu erwarten hat.
Im Gegensatz zum Dolphins-Ballverteiler zählt der Absolvent von Michigan State nicht zu den klassischen „Scramblern“, mehr als zwei rushing attempts pro Spiel wären schon ungewöhnlich. Er sitzt lieber in der Pocket, kontrolliert das Spiel mit seinem Arm und setzt recht akkurat die Pass-Empfänger ein. Dies führt einen in der Vorschau auf Sonntag unweigerlich zum Namen Brock Bowers. Mit dem wird sich die neu formierte Secondary der Fins nämlich nicht auseinandersetzen müssen; der 23-Jährige fehlt verletzt und steht den Raiders damit als top target der passing offense nicht zur Verfügung. Das werden Jalen Nailor, Jack Bech und TE Michael Mayer zu ersetzen haben, die mit Verlaub nicht zur ersten Garde der Pass-Catcher zählen. Da dies bei den Miami Dolphins ziemlich ähnlich aussieht und Malik Willis ja nicht schlecht zu Fuß ist (ja, wir werden in dieser Saison GEPLANTE QB runs – ohne Angst und Herzinfarkt-Risiko – sehen und dieses taktische Mittel wohl schon am Sonntag einsetzen), wird sich das Spiel der Offensiven im Wesentlichen im Duell Ashton Jeanty gegen Devon Achane respektive Malik Willis entfalten.

Wessen Defensive in der Lage ist, den jeweiligen 1.000 Yards rusher der Gegner unter Kontrolle zu bringen, der wird den forward progress der gegnerischen Offensive ziemlich gut kontrollieren können – oder eben auch nicht. Für die Raiders muss es das Ziel sein, den Ball in die Hände von Malik Willis zu bekommen und Achane als 1.300 Yards-Waffe weitgehend einzubremsen. Denn was die beiden Rookies (Bell, Douglas) in Verbindung mit Malik Washington und TE Greg „Dulle“ Dulcich zeigen können, ist ein großes Fragezeichen. Natürlich kann man jetzt einwenden, dass Chris Bell – wenn fit und gesund – einen 1st round-Status durchaus gehabt haben könnte. Man kann die 355 Yards Receiving von „Dulle“ in zehn Spielen hervor heben. Die Stats von Malik Washington als WR3 in die Waagschale werfen und sagen: „wenn er als Nummer drei schon die Zahlen produziert, wozu ist er dann als #1 in der Lage?“ – es lässt sich aber anhand der sehr kleinen Sample size von Malik Willis nicht sagen, ob er dieses zweifellos vorhandene Potential auf den Rasen (Allegiant stadium wohl eher Kunstrasen) in Las Vegas zaubern kann oder wird. Von daher ist ein run heavy-Ansatz mit Achane, der ja für einen kurzen Pass auch immer eingesetzt werden kann, sicherlich realistisch. Die Tatsache, dass der als blocking TE gedraftete Kaczmarek wieder voll mittrainieren kann, unterstreicht diesen Ansatz zusätzlich, den Hafley und sein OC Bobby Slowik wählen KÖNNTEN.
ABER: hier spielt lt. PFF die schlechteste Secondary der NFL gegen die fünftschwächste Unit – hier könnte und sollte es zu einigen coverage blowouts und bid plays kommen. Es könnte also high scoring werden, denn: ein Kirk Cousins kann bei wenig Druck, der von den Dolphins eher nicht zu erwarten ist (CBS hat die Truppe rund um Chop Robinson im pass rusher ranking an 32), den Ball immer noch gut anbringen und für einigen Schaden sorgen. Denn – und da sind wir bei der großen Gefahr für Miamis Offensive – das Duell der pass rusher geht meilenweit an Las Vegas. Wenn die Raiders eine starke Unit haben, dann den Pass rush – aus meiner Sicht Top 5 der Liga, lt. CBS auf sieben einsortiert. Der Name Maxx Crosby und seine Kollegen Kwitty Paye oder Malcolm Koonce bürgen hier für reichlich Druck, mit dem die neu formierte Offensive Line umzugehen haben wird. Immerhin wird es einen neuen LG – Kadyn Proctor, einen neuen RG – Jonah Savaiinaea darf auf seine angestammte rechte Seite wechseln – geben. Brewer, Paul und Austin Jackson bleiben bestehen, aber die inneren Gaps werden neu besetzt. Man wird sehen, ob dies Auswirkungen auf die Stabilität der Line und den zu erwartenden Druck der Raiders haben wird.

Davon abgesehen sind die Las Vegas Raiders bei dem hammerharten Programm der anstehenden Saison sicher eines der Teams, welches die Miami Dolphins durchaus in der Lage sein könnten zu besiegen. Dazu müssen natürlich einiges der Dinge, die in dieser Offseason frisch neu begonnen wurden, von Spieltag 1 an funktionieren. Die Secondary muss den Arm von Cousins im Griff haben. Die Lauf-Verteidigung muss Jeanty einbremsen können. Malik Willis sollte einiges von dem zeigen, warum ihm JES einen mehrjährigen Vertrag angeboten hat. Achane muss von der O-Line und den Tight Ends den Weg weiter gut geblockt bekommen (wobei das das kleinste Fragezeichen sein könnte), so dass die Dolphins Drives auch in die Red Zone führen können. Immerhin dürfte es in dieser ersten Aufbau-Saison die wahrscheinlich einzige Möglichkeit sein, einen positiven Record aufzuweisen PLUS zumindest nach Sonntag vor den Patriots zu stehen, die ja den Auftakt bereits am Donnerstag Morgen vergeigt haben.


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