Die Liste der Headcoach-Kandidaten, mögliche Nachrücker und ihre Meriten – wer folgt auf Mike McDaniel und wird „Nummer 15“?

Nein, die Headcoaching-Suche der Miami Dolphins hat mit Jaelan Phillips nur bedingt etwas zu tun. Der ehemalige DE, der nun bei den Eagles spielt, liefert nur seine (ehemalige) Jersey-Nummer zu dem Fakt, dass die Franchise aus dem Süden Floridas ihren fünfzehnten Übungs-Leiter der Franchise-Geschichte und einen Nachfolger für Mike McDaniel sucht, der in der letzten Woche seinen Hut nehmen musste. Es sind 15, weil man die drei Spiele von Todd Bowles (2011) und die sieben von Jim Bates (2004) durchaus mitzählen und erwähnen sollte.

Nachdem Stephen Ross und seine GM-Findungs-Kommission nun in Jon-Eric Sullivan einen neuen General Manager eingestellt haben, machen sich Teile dieses Gremiums gemeinsam mit dem neuen „starken Mann“ daran, einen geeigneten Headcoach zu installieren. Gestern nun wurden aus Spekulationen Realität und die ersten Namen wurden zu Interviews angefragt bzw. erste virtuelle Calls haben bereits stattgefunden. So entsteht eine Liste an Namen, die aber noch erweitert werden kann und soll. Es soll – auch unter Mithilfe von Sullivan und Troy Aikman – eine Lösung gefunden werden, die Konstanz auf dieser Position ermöglicht und die „short term Coaches“ Geschichte werden lässt. Tatsächlich ist oder besser war Mike McDaniel mit 68 gecoachten Spielen der HC mit den meisten Spielen seit Dave Wannstedt, der zwischen 2000 und 2004 auf 73 Spiele kommt. Hinter dem und dem „Don“ belegt „McGenius“ sogar die Nummer drei der Liste.

Bestätigte (und unbestätigte) Headcoach-Kandidaten und Interviews mit den Dolphins, die Rooney-rule

Zunächst einmal vorweg: Dolphins-DC Anthony Weaver und Packers-DC Jeff Hafley haben offiziell noch keine Interviews und Anfragen von den Dolphins bekommen. Da beide aber – durch ihre bisherige Arbeit hier oder die Verbindung zum neuen GM aus gemeinsamen Green Bay-Zeiten – durchaus berechtigte Kandidaten sind und die requests nur eine Frage der Zeit sein dürften, werden sie mit in den Zirkel der potentiellen Neuen aufgenommen. Im Gegensatz dazu wird auf den Namen des HCs der Green Bay Packers, Mike LaFleur, erst einmal verzichtet. In Wisconsin muss man die Playoff-Niederlage des Samstags erst einmal verdauen und Stand jetzt ist davon auszugehen, dass die „Cheeseheads“ ihren Trainer nicht entlassen oder er zurücktritt.

Aber auch die Dolphins haben noch Hausaufgaben und weitere Kandidaten zu interviewen: Gemäß der sog. „Rooney rule“ aus 2003 reicht es nicht aus, als Teil einer Minderheit lediglich Robert Saleh zu Gesprächen einzuladen – Anthony Weaver als „Interner“ zählt in diese Auflistung nicht. Es braucht also noch einen weiteren, zweiten externen, „minority coach“, den man zumindest interviewen müsste. Brian Flores werden sie kaum einladen (wollen), da bleiben nicht mehr viele. Aus einer Liste von zwanzig Top-Kandidaten bliebe einzig der DC der Denver Broncos, Vance Joseph, übrig.

Neben Matt Burke (DC Texans, 2016-18 DC der Dolphins), Anthony Campanile (DC Jaguars, bei den Dolphins 2020-23 LBs coach) und Matt Rizzi (Special Teams Coordinator, 2009-2018 bei den Dolphins und aktuell bei den Broncos) einer von vier ehemaligen Angehörigen des Dolphins´ Coaching Staff auf dem Karussell der Headcoach-Suche. Allesamt werden sie mit Miami verlinkt, haben aber noch keine Einladungen für weitere Gespräche erhalten. Dies gilt auch für Mike McCarthy, ehemaliger Headcoach der Dallas Cowboys und Green Bay Packers. Seine Verbindung zu Sullivan bringt seinen Namen auf den Tisch, eine offizielle Bestätigung gibt es aber noch nicht. Das ist bei den u.g. fünf Coaches anders.

1. Chris Shula, DC der Los Angeles Rams

Seit gestern steht der Name des Sohns von David Shula, des Neffen von Mike Shula und des Enkel des „Don“ mit auf der Kandidaten-Liste. Doch der knapp 40-Jährige hat weit mehr zu bieten als nur einen in Florida und der NFL sehr berühmten Namen mit NFL-HC-Erfahrung. In Verbindung mit seinem guten Freund Sean McVay hat er die Karriere-Leiter aufgrund seiner Leistungen in bisher neun Jahren bei den Rams erklommen und gehört deswegen in den Kreis potentieller HC-Kandidaten. Sein zweites Jahr als DC der Franchise aus LA dauert derzeit noch an, sie stehen in der zweiten Runde der Playoffs – und das nicht zuletzt dank der Defense. Die hat sich unter Shula zu einer Top 10-NFL-Defense entwickelt und lässt im Schnitt gerade einmal 20 Punkte zu. Die beiden Spieler Jared Verse und Braden Fiske profitierten nicht zuletzt von Shula, dies gilt auch für die Secondary der Rams. In den Kategorien „passes allowed“ und „Interceptions“ belegt das Team einen der vorderen Plätze. Eine schlechte Wahl wäre ein Shula nicht – wobei der Rucksack seines Namens sicher nicht zu unterschätzen sein dürfte.

2. Robert Saleh, DC der San Francisco 49ers

Ja, auch dieser Name steht auf der Liste der Dolphins. Ein Coach mit Erfahrung in der AFC East muss sicherlich kein Nachteil sein und Robert Saleh gilt als absolutes defensives mastermind. Er hat nicht zuletzt mit Kyle Shanahan und Mike McDaniel bereits ein kon-geniales coaching-Trio gebildet und in seinen zwei Stints bei den Niners herausragend gearbeitet. Anders war dies in den Jahren, die Saleh als Headcoach der New York Jets tätig war. Eine 4-13 und zwei mal 7-10 als records sind jetzt nicht so herausragend. Auch hier gilt aber: an der Defense hat es nicht gelegen. Wenn es ihm möglich sein sollte, einen besseren offensiven Playcaller zu bekommen als Nathaniel Hackett, könnte es durchaus erfolgsversprechender sein als seine Zeit im Big Apple. Dennoch ergeben sich hier natürlich Fragezeichen, wie er das offensiv auf die Reihe bekommt – und ob er Jeff Ulbrich aus Atlanta (unter Saleh DC bei den Jets) wieder mitbringt. Bei den Falcons wird immerhin auch ein neuer Übungs-Leiter gesucht, Saleh steht dort – neben Miami, Baltimore und bei den Titans – auf der Liste für ein Interview. Ohne Konkurrenz wären die Fins also nicht.

3. Klint Kubiak, OC der Seattle Seahawks

Dies gilt auch für den 38-jährigen Klint Kubiak. Bei ihm sind inzwischen Anfragen aus New York (Giants), Atlanta (Falcons), und eben Miami eingegangen. Einige Interviews davon sind am Samstag bereits gelaufen. Ravens, Raiders, Cardinals, Falcons, Giants, Dolphins – es gibt kaum eine franchise mit vakantem Coaching-Posten, die sich nicht mit Kubiak treffen wollten oder wollen. Das liegt nicht nur daran, dass er die offensiven plays des Teams aus Seattle callt. Hier sind seine Kreativität und die Fähigkeit zur Spieler-Entwicklung sehr positiv aufgefallen. Top 3 in Points per game, ein Sam Darnold in herausragender Form – die vom Sohn von Gary Kubiak geleitete Offensive liefert amtlich ab. Er wird als jemand beschrieben, der andere mitreißen kann und „Football atmet“ – die Frage bleibt nur, ob die Dolphins einen weiteren „First try guy“ als Headcoach haben wollen – das wäre aber auch bei Anthony Weaver, Chris Shula oder Jeff Hafley der Fall. Bei anderen Kandidaten wäre das nicht der Fall…

4. Kevin Stefanski, Ex-HC der Cleveland Browns

Stefanski hat wenig überraschend den black monday bei den Browns nicht überlebt. In über 100 Spielen hat der 43-Jährige in den letzten Jahren die Geschicke in Cleveland geleitet. Gerade in den Jahren 2020-2023 gelang es ihm, eine durchaus funktionierende Mannschaft aufzubauen und zu 7,8 und zwei mal 11 Siegen zu führen. Der ehemalige OC der Vikings (2019) hat es geschafft, dieser so krisenbehafteten und in der letzten Dekade miserablen Franchise wieder Leben einzuhauchen. Zwei Playoff-Teilnahmen, zwei mal AP Coach of the year – die Reputation eines Kevin Stefanski mit Quarterbacks wie Joe Flacco oder des Rookies Baker Mayfield lässt sich wirklich sehen. Allerdings ist die QB-Position auch das große Problem. Flacco, Mayfield, Watson, Shedeur Sanders, Dillon Gabriel, Jameis Winston, Dorian Thompson-Robinson, PJ Walker, Jeff Driskel, Jacoby Brissett, Case Keenum – elf Quarterbacks in quasi fünf Jahren sprechen nicht gerade für ein gutes Händchen – und wenn man die aktuelle Dolphins-Situation bedenkt, wird es hier sicherlich Nachfragen geben (müssen).

In Verbindung mit dem Miami born Ken Dorsey (derzeit bei den Cowboys Pass Game Specialist) wäre ein offensive minded HC wie Stefanski sicherlich auch bei den Dolphins vorstellbar. Allerdings ist Stefanski durchaus begehrt, möchten ihn doch quasi alle Franchises mit Vakanz zum Gespräch bitten (Atlanta Falcons, Tennessee Titans, Baltimore Ravens, Las Vegas Raiders, New York Giants, Miami Dolphins).

5. John Harbaugh, Ex-Headcoach der Baltimore Ravens (2008-2025)

Etwas unerwartet wurde der 63-Jährige von den Baltimore Ravens entlassen – und gilt instant als der Top-Kandidat aller Franchises auf einen neu zu vergebenen Posten als Chef-Trainer. Klar, er hat in der Vergangenheit mit Dolphins-DC Anthony Weaver zusammengearbeitet, eine Reunion in Florida hätte etwas für sich. Seinen ehemaligen OC, Greg Roman, von den Chargers loszueisen dürfte ungleich schwieriger werden (wenn denn gewollt); mit Todd Monken lag er zuletzt ja etwas über Kreuz. Sportlich kann man an dem Bruder von Jim Harbaugh wenig Negatives finden. 17 Jahre lang führte er die Franchise aus Maryland zu 13 positiven records, 2012 gewann er mit ihnen den Super Bowl. Er ist der Typ des erfahrenen Franchise-Leaders, der allerdings schon angekündigt hat, weitreichende Kompetenzen und gewisse finanzielle Anforderungen an seinen neuen Arbeitgeber zu haben. Darüber hinaus wird er zunächst aus der Liste der interessierten Franchises die für Interviews auswählen, die er als „coachable“ für sich hält. Er soll wohl mindestens sieben Angebote vorliegen haben – also von allen Franchises ohne aktuellen Headcoach. Harbaugh symbolisiert den erfahrenen Übungsleiter, der aber auch mit vielen Kompetenzen ausgestattet werden und vieles alleine entscheiden möchte. Ob dies dem aktuellen Ansatz der Miami Dolphins entspricht, die dem neuen GM damit nicht gerade einen Gefallen tun würden, erscheint zumindest ein wenig fraglich – aber zum Interview eingeladen wurde er von den Fins zumindest schonmal.

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