
Während in der Offense unter OC Bobby Slowik noch nicht alles rund läuft und es deutlichen Bedarf an Verbesserungen gibt, macht die Waage der anderen beiden Mannschafts-Teile zwei vollkommen differierende Bewegungen. Während sie in der Defense gerade auch in den letzten Wochen deutlich nach oben tendierte, schlägt die von Chris Tabor betreute Unit des Special Teams sprichwörtlich den Boden aus und es gibt bereits nicht wenige mediale Stimmen, die sich fragen, wie lange der ehemals für die Bills verantwortliche Coach noch in Miami sein wird. Eine Ablösung erscheint durchaus wahrscheinlich – während die Arbeit von DC Sean Duggan in Anbetracht der ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten als durchaus nicht schlecht bewertet werden kann.
OHNE DRUCK KOMMT NICHTS AN – ODER ETWA DOCH?
Der Rebuild der Miami Dolphins ist natürlich auch an der Defense nicht spurlor vorbei gegangen – ganz im Gegenteil. Von den zehn Spielern, die in der Defense 500+ snaps gesehen und gespielt haben, sind LB Jordyn Brooks, DT Zach Sieler und DT Kenneth Grant übrig geblieben. Bei den DEs vertraut Miami auf Chop Robinson – die anderen pass rusher der abgelaufenen Serie (Chubb, Phillips, Judon im Wesentlichen) sind allesamt nicht mehr da. Das macht sich natürlich deutlich im Druck für den gegnerischen QB bemerkbar. Der ist schlichtweg nicht oder nur partiell vorhanden. Der einzige Spieler in der Top 100 (!) der Sacks in der NFL ist Sieler auf Platz 54 (und die hat er beide gegen die Vikings erzielt). DJ Wonnum und Dallas Turner haben sogar mit der gleichen Anzahl Spiele (5) mehr Sacks erzielt, als die Miami Dolphins zusammengenommen. Platz 32 ist zwangsläufig, aber der geteilte Platz 31 steht bei acht – und auch die KC Chiefs haben dies in lediglich fünf Spielen erreicht. Choip Robinson schafft es bei den Kategorien QB Hits (11; hier ist er 50.) und Pressures zumindest in den vorderen Bereich der Liga. Der Druck ist aber schlichtweg viel zu wenig und ohne Druck machen dann Joe Burrow, Kirk Cousins, Pat Mahomes und Co. dann entsprechende Spiele und sorgen für passing Yards – oder etwa doch nicht?

Im Schnitt lässt Miami durch die Luft knapp 220 Yards zu – damit ist man nicht mal in der Nähe von Platz 32, sondern ziemlich gut platziert; 16 Teams lassen hier mehr zu. Miami bekommt ja punkte-technisch auch nicht in jeder Woche die Hucke voll, das nun nicht. 132 Punkte in fünf Spielen sind sicherlich ausbaufähig, bei den struggles der Offense aber auch eine echte Bürde. Platz 24 in Points allowed per game sind nun aber auch nicht Platz 32 – und das zeigt schon, dass in der Entwicklung einiges gut oder vielleicht sogar sehr gut läuft. Wobei man bei der Lauf-Verteidigung der Fins und zwangsläufig bei der Bewertung der an Position 27 (Chris Johnson) sowie 43 (Jacob Rodriguez) wären.
DER HYPE GEHT SCHON VOR DEM „MOVEMBER“ DURCH DIE DECKE
Klar, die Bengals haben Miami in der letzten Partie reichlich Yards auf dem Boden eingeschenkt. Im Schnitt sind 110 Yards aber jetzt auch nicht mies, sondern durchschnittlich. Das wird perspektivisch sicher durch die Rückkehr von DT Kenneth Grant nochmal besser und ausbaufähig sein. Miami wird durch den Gegner aber auch nicht überrannt. Hier machen Jordyn Brooks, Sieler und Co. einen ziemlich guten Job. Aus dieser gesamten Unit sticht aber die Leistung des Rookies Jacob Rodriguez positiv heraus und er fällt nicht nur wegen seines Schnauzers und während der Spielzüge auf. Vielmehr ist er ein absoluter Energizer auf und abseits des Platzes, er motiviert die anderen Spieler und ist sich nicht zu schade, die Defense auch mal an der Sideline zu einem kleinen Huddle zusammenzurufen. Beim 24-Jährigen sollte man nach „erst“ 5 Spielen nicht schon den Hype zu sehr nach oben schrauben. Alleine die Tatsache aber, dass Miami auf Tyrel Dodson verzichtet hat, zeigt aber seinen Stellenwert deutlich auf. Das machen natürlich auch die Statistiken zusätzlich deutlich, aber der „Eye test“ reicht bei Rodriguez schon aus, um seine Art Football zu spielen positiv erwähnen zu können.

Trotz erst 5 absolvierten Spielen liegt er mit 57 Tackles auf Platz 4 der NFL. Alle anderen Spieler vor ihm könnte er mit dem nächsten Spiel in seinem Schnitt (11,4 Tackles/Spiel) wieder überflügeln. Vor allem seine Leistung in Minnesota war mit 18 Tackles auch dazu geeignet, sich mitten drin im Rennen um den DROTY zu befinden. Er wird diese Auszeichnung letzten Endes wohl nicht bekommen, da der pass rush (0 sacks, erst einen QB hit) nicht zu seinen Stärken zählt. Den Titel „Publikumsliebling“ wird er mit seiner Spielweise bei den Fans der Dolphins aber sehr leicht einfahren können. Das nicht, weil er seine Nummer von Tyreek Hill übernommen hat. Die zweite Linie sollte aber auf absehbare Zeit nicht mehr das Problem der Miami Dolphins sein, weil man in Brooks/Rodriguez schon ein verdammt starkes Duo beisammen hat.
DIE SECONDARY – DIE BFÜRCHTETE „ALL FLY ZONE“?
Was konnte man in der Offseason alles über die Secondary der Miami Dolphins lesen? Als sich dann auch noch CB Storm Duck schwerer verletzte, kamen ziemlich viele Untergangs-Szenarien hinzu. Wie sollten auch die 2025er Rookies Marshall Jr. und Trader, die 2026er Rookies Johnson und Taaffe sowie Juju Brents die Secondary von Rasul Douglas, Minkah Fitzpatrick oder Jack Jones ersetzen können – nur Johnson und Brents (1. bzw 2. Runde der Colts 2023 bei Brents) waren ja höhere Draft-Picks außerhalb der 5. Runde. Man kann sich allerdings schon bei der Ansicht der Statistik zum Thema INTs etwas beruhigter fühlen. Mit drei Pass-Abfängen ist man doch mittelfeld-tauglich. Man ist mit den Teams mit bereits absolvierter Bye week in puncto zugelassene Pass Yards auf einer Stufe (KC hat zehn Yards weniger, Cincy zehn mehr) und ist auch hier vom Bodensatz der NFL ein gutes Stück entfernt. Die jungen Kerle finden sich immer besser zusammen und auch 1st round Rookie Chris Johnson entwickelt sich von Woche zu Woche positiv. Zwei zugelassenen TDs stehen zwei pass deflections gegenüber. Der forcierte Ball-Verlust gegen die Bengals kommt neben der in den letzten Wochen peu a peu verbesserten Coverage als positiver Effekt oben drauf. Man kann generell erkennen, was den Spieler am College so stark gemacht hat und warum Miami ihn in Runde 1 auswählte. Offenbar scheinen HC und DC auch eine sehr gute Vorstellung davon zu haben, wie sie ihn entsprechend seiner Kompetenzen einsetzen können. Gleiches gilt für Brents, Trader, Taafe und Marshall Jr.. Brents, Taaffe und Trader stehen sogar bei einem erlaubten passer rating von z.T. deutlich unter 90. Marshall hat lediglich einen TD zugelassen, die Dolphins an sich „erst“ 11 durch die Luft – von denen man noch sechs abziehen kann, weil sie auf Rodriguez, Willie Gay und Chop Robinson geworfen wurden. Eine vorher so schlecht geredete Secondary, die im Schnitt pro Spiel einen passing TD zulässt, kann ja so miserabel gegen einen Mahomes und generell Teams mit einem solchen Record, wie es die bisherigen Gegner aufweisen können (5 Spiele gegen die ungeschlagenen Niners, Vikings und Chiefs sowie die Bengals mit 2 und die Raiders mit 3 Niederlagen), nun auch nicht sein.
Sollte es in der kommenden Offseason gelingen, jeweils einen CB und einen Safety als starter zu bekommen, könnte man an der Secondary der Miami Dolphins lange Zeit seine Freude haben. Positive Entwicklungen sind auf jeden Fall bereits auf allen Ebenen außerhalb des pass rush erkennbar. Hier steht noch viel Arbeit bevor – das andere macht aber durchaus Hoffnung für die weitere Zukunft.



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