
In Miami ist heute eher indirekt eine Ära zu Ende gegangen, mit deren Ende nicht wirklich zu rechnen war. Der RB Coach Eric Studesville, ein hoch angesehener Experte und Fachmann der Liga, zudem Assistent HC und Kandidat auf einen oder mehrere OC-Posten in der NFL in den letzten Jahren, wurde von den Miami Dolphins zwar nicht entlassen. Die Dolphins haben allerdings lt. Adam Shefter einen neuen RB Coach eingestellt, so dass die Position Studesvilles vakant wurde. Denn nach einer Saison bei den New York Giants und der (erfolgreichen) Arbeit mit Cam Skattebo schließt sich deren RB Coach, Ladell Betts, den Miami Dolphins an. Das ist weniger eine Meldung als die Tatsache, dass mit Studesville einer der langjährigen Coaches die Franchise aus Florida verlassen muss – und wie man anhand der Erfolge eines De´Von Achane gesehen hat nicht erfolglos. Damals von Brian Flores mit zu den Dolphins geholt, war er seitdem nicht gerade ohne Meriten tätig und hatte sich bis zum Co-OC (2021) sowie unter Mike McDaniel zum associate head coach/running backs coach hoch gedient.

Ladell Betts wiederum, der vor seinem Jahr bei den Giants vier Jahre lang an der University von Iowa für die RBs verantwortlich zeichnete, kann auf eine eigene NFL-Karriere zurückblicken. Der 46-Jährige war unter anderem acht Jahre lang für die damaligen Washington Redskins aktiv gewesen und darf sich 1.000 Yards-rusher nennen (von 2002-2010 dort aktiv). Er weiss also, wovon er redet. Seine Verpflichtung gilt darüber hinaus als Fingerzeig der Entwicklung dieser Position. Betrachtet man nämlich die Statistik der Giants aus dieser Saison, sind nicht nur die Zahlen von Skattebo vor dessen Verletzung beeindruckend. Vielmehr ist es Betts in einem eher nicht so guten Team gelungen, in Tyrone Tracy/Skattebo/QB Jaxson Dart und Devin Singletary sowohl vier rusher mit 400+ Yards zu produzieren (die Giants insgesamt mit 2000+ rushing Yards) als auch zu den besseren Teams der Liga (Platz 14) in Bezug auf converted 3rd downs zu gehören. Gerade hier und in der Umwandlung kurzer dritter Versuche in neue First Downs hatten die Miami Dolphins unter Studesville ja so ihre Themen. Betts soll dies ändern. In einem Interview hat er seine Aufgabe mal treffend zusammengefasst:
„I’m looking for vision, natural instincts, feel for where the hole is going to be. Can you make something more than what is blocked for you?“
Das lässt im Umkehrschluss vermuten, dass sowohl Hafley als auch OC Bobby Slowik und GM Jon-Eric Sullivan erkannt haben, dass sowohl das RB corps der Miami Dolphins einen neuen Impuls gebrauchen, das power running game (u.a. auch eines Ollie Gordon III.) gestärkt werden könnte als auch im run blocking durch die Offensive Line unterstützt und anders aufgestellt werden sollte. Der zweite Teil der Veränderungen im Coaching staff betrifft nämlich diesen Teil der Offensive.
II. Die Offensive Line

Seit der Bekanntgabe des neuen General Managers und des neuen Head Coaches sowie der Tatsache, dass sich Mike McDaniel als neuer Offensive Coordinator den Chargers angeschlossen hat, sind in den letzten Tagen die Coaching staffs der NFL ziemlich durchgemischt worden. Unklar ist die Zukunft von assistant offensive line coach Lemuel Jeanpierre (seit 2020 im Amt). Sein Vorgesetzter wird aber nicht mehr der selbe sein. So wurde heute unter anderem eine Veränderung des Coachings der Offensive Line bekannt. Diese Positionsgruppe, die in den letzten Jahren immer mal wieder mehr oder weniger Grund zur deutlichen Kritik gewesen war, wird nicht mehr länger durch Butch Barry betreut. Der nämlich tritt mit McDaniel zusammen den Weg nach LA an. Aber: der Ersatzmann hat ebenso eine Verbindung zu Miamis neuem Offensive Coordinator Bobby Slowik.
Dabei handelt es sich nämlich um einen ehemaligen positional coach der Houston Texans, um Zach Yenser. In den letzten beiden Jahren unter DeMeco Ryans war er der Assistant Offensive Line Coach, eine Unit, die dem ehemaligen Dolphins-Rookie Laremy Tunsil zu einer herausragenden Saison verhalf. Davor war er zwei Jahre lang bei der University of Kentucky beschäftigt, zu der er von den San Francisco 49ers gewechselt war. Als Assi von O-Line-„Guru“ Chris Foerster hat er einiges über den Aufbau einer starken Line lernen können, darüber hinaus holt ihn sein alter Vorgesetzter bei den Texans, Bobby Slowik, zu sich nach Miami. Miami nutzte schlichtweg aus, dass der Coaching Staff in Houston ebenfalls in Bewegung war und Yenser somit frei zur Promotion nach Florida wurde. Nur mal für den Hintergrund: RG Ed Ingram (Top 10 PFF run block grade 2025) wird Free Agent, mit dem Yenser schon gearbeitet hat – eine Position, mit der Miami in den letzten Jahren nicht restlos zufrieden war.
III. Wide Receiver Coaching

Der dritte Teil des Umbaus der offensiven Trainer bei den Miami Dolphins betrifft, das wurde bereits gestern bekannt, die Wide Receiver Coaches. Während Robert Prince, der bisherige Inhaber dieser Stelle, sich bei anderen Franchises um den Posten eines Offensive Coordinators bemüht und letzten Endes bei den Atlanta Falcons einen neuen Job ergattern konnte, hat die Franchise reagiert und einen absoluten Fachmann an Land gezogen. Der 58-jährige Tyke Tolbert – unter anderem er gilt auch als „Macher des Phänomens OBJ“ – kommt von den Titans und hat davor in gleicher oder ähnlicher Funktion bei Arizona Cardinals, Buffalo Bills, Carolina Panthers, Denver Broncos, New York Giants und Chicago Bears durchaus erfolgreich gearbeitet. Unter anderem Calvin Ridley Jr. und D.J. Moore schwärmen von der Zusammenarbeit mit Tolbert, der dem WR-Raum der Dolphins eine neue Stärke verleihen soll. Bei den Titans hat er im Übrigen auch erfolgreich mit Nick Westbrook-Ikhine gearbeitet, dem er nach Florida nun ein Jahr verspätet nachfolgt. Auch er wird das offensive coaching staff des neuen OC Bobby Slowik verstärken. Ob dies auch für den bisherigen stellvertretenden WR-Coach, Jonathan Krause, gilt, erscheint zunächst einmal fraglich. Von den bisherigen offensive Coaches sind damit nur noch QB Coach Darrell Bevell, die Assistants Krause bzw. Jeanpierre sowie der bisherige assistant HC und Tight Ends Coach Jon Embree übrig geblieben. Aufgrund der Tatsache, dass aber sowohl Waller, Hill und Dulcich FAs werden als auch Jaylin Conyers erst von einer Verletzung zurückkehrt, macht es aber realistisch, dass auch hier ein neuer Trainer gefunden wird. Ob Embree mit McDaniel nach Kalifornien geht, ist dann fraglicher. Offizielle Meldungen gibt es in diesem Fall nicht. Hier muss man wohl das Urteil von Sloeik abwarten…



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