Dolphins-Gegner sind schlagbar und die Mami Dolphins können führen (?)

WAS: NFL Woche 5 – Cincinnati Bengals (2-2) @ Miami Dolphins (0-4)

WANN UND WO: Sonntag, 11. Oktober, 19 Uhr deutscher Zeit, Hard Rock stadium, Miami Gardens/FL

WO UND WIE ZU SEHEN: Live nur im Rahmen des Game Pass, RTL überträgt nicht

Nach einigen Wochen mal wieder eine Preview. Bei den Footballern der Miami Dolphins hat sich einiges getan, wobei das Meiste konstant geblieben ist. Vier Spiele – vier Niederlagen. Drei auswärts, ein mal zu Hause. So weit, so erwartbar. Das allerdings beinahe alle bisherigen Gegner der Dolphins ohne Niederlage durch die ersten vier Spieltage gekommen sind – wobei die Las Vegas Raiders nur nicht in diese Kategorie fallen, weil sie mit den Kansas City Chiefs einem weiteren Gegner unterlegen waren. Die Chiefs, (die Raiders nicht), die 49ers und die Vikings bilden die drei Teams, die in der NFL derzeit noch ungeschlagen sind und zwischen einer weiteren Verängerung des Alleinstellungsmerkmals „perfect season stehen“. Am Sonntag nun reisen die Bengals ins Hard Rock stadium und haben bereits bei den Steelers und gegen die Jaguars verloren, ihren 2-0-Start in die Saison in den letzten beiden Wochen ziemlich ramponiert. Es wird sich zeigen, ob die Fins „schlagbare Gegner“ anders bespielen werden, als sie dies in den letzten vier Spielwochen getan haben oder einen weiteren Schritt in Richtung einer negativen perfect season beschreiten müssen. Das wäre dann wiederum ein Meilenstein in der franchise history, denn bis auf die 2007er-Saison, in der es lediglich einen Sieg gab, haben die Miami Dolphins in der Vergangenheit immer mindestens vier Spiele gewonnen.

Apropos Historie: Hier steht der theoretische Favorit schon lange fest. Von den Heimspielen gegen die Tigerkatzen haben die Dolphins in der Geschichte nur drei NICHT gewonnen, wobei eins davon 1968 war. In den Jahren 2007 und unsäglicherweise das letzte Aufeinandertreffen in Miami Gardens wurde durch den Gast siegreich bestritten. Vor knapp einem Jahr führte Joe Burrow mit vier TD-Pässen sein Team zu einem ungefährdeten Sieg. Die bisherige Bilanz aller 27 Aufeinandertreffen wurde durch den 9. Sieg der Herren aus Cincy ein bisschen aufgebessert. Historisch gesehen haben die Dolphins aber die Nase vorn.

„Superstar“ Burrow und seine anfällige Offense und wenn Stärke auf Schwäche trifft – der Jacob Rodriguez-Hype is real

Ob aber das historische Argument, die Tatsache von zwei Niederlagen der Bengals in Serie sowie der eigene Aufwärts-Trend ausreichen werden, um die Sieglos-Serie zu beenden, darf und muss abgewartet werden. Immerhin wäre es mal an der Zeit, zumindest die erste Führung der Saison erreichen; gegen die Vikings war man ja virtuell bereits ein mal in Führung, was nur aufgrund weniger Inches wieder zurückgenommen wurde. Hätte, wäre, wenn und aber – Wahrscheinlichkeiten sind im Sport eher selten anzutreffen. Wenn man aber die positive Entwicklung in dieser Saison weiter voranschreiten kann, dann werden es die Mannen von Zac Taylor nicht so leicht haben, den Sieg aus dem „HRS“ mitnehmen zu können.

Die von Star (oder eben nicht Star)-QB Joe Burrow angeführte Offense gehört zu den eher durchschnittlichen Units der NFL. Sie erzielen zwar bisher die 14.meisten Punkte (knapp 24 im Schnitt), sind aber gerade durch das Passing game besser als dieser Ruf. Burrow, Jamar Chase, Higgins, der Ex-Delfin Mike Gesicki und Co. erzielen beinahe 280 Yards jede Woche durch die Luft. Gegen eine in den letzten Spielen sehr improvende Secondary aus Miami, in der auch 1st round-Rookie Chris Johnson immer mehr an gutes NFL-Niveau heranreicht, sind die einzelnen Matchups sicher spielentscheidend. Wie die allerdings aussehen werden, steht Stand Freitagmorgen noch nicht fest. Bei den Bengals labortiert Tee Higins an einer Verletzung, hat bisher nicht trainiert. Nach seiner Concussion wird Ja´mar Chase wohl dabei sein, der trainiert seit Donnerstag zumindest eingeschränkt wieder. Das Gleiche gilt für Colbie Young, der hatte es am Knie. Wenn allerdings drei Pass-Empfänger angeschlagen oder nicht dabei sind, ist das ein erstes Indiz. Der stark verbesserte Pass rush der Miami Dolphins ist ein weiteres Argument. Gegen die Vikings wurden 12 pressures und vier Sacks notiert. Wenn dies gegen Joe Burrow – in dieser Saison immerhin auch schon neun Mal zu Boden gegangen – gelingt und er unter Druck gerät, wird er inkonstant. Ein sehr gutes Spiel in Pittsburgh, ein durchschnittliches in Houston sowie miserable Heimauftritte halten sich in dieser Saison die Waage. Im letzten Spiel gegen die Jaguars hat er mit zwei INTs und einem 86er-rating das Spiel quasi fast alleine verloren. Mit etwas pass rush-Hilfe könnte man das passing game sicherlich zumindest einschränken. Unterstützung der Offense dürfte schwierig werden.

Denn im running game sieht der Vergleich – man höre und staune – die Dolphins deutlich vorne. Das liegt nicht nur daran, dass sich Rookie-Rodriguez auf dem Weg zum defensiven Rookie of the year befindet. Das liegt eher an seiner Performance, die er gegen Minnesota mit insgesamt 18 Tackles deutlich unterstrichen hat. Dazu kommen seine Teamkollegen (neben ihm steht mit Jordyn Brooks ja beileibe kein schlechter LB. Zach Sieler ist gegen den Lauf auch nicht schlecht, Kenneth Grant traniert nach seinem IR-Aufenthalt ja auch schon wieder), die gerade gegen den Lauf eine defensive Einheit bilden. Die Grenze für die bisherigen vier Gegner sind 120 Yards (109 im Schnitt und damit league average) – und das Laufspiel der Bengals ist in dieser Saison bisher nicht beeindruckend. Im Gegenteil: mit im Schnitt 74 rushing Yards ist man Vorletzter der Liga, nur gegen Tampa Bay wurde man dreistellig. 85 Yards bei den Texans, 83 in Pittsburgh waren schon nicht gut. 23 (!) rush Yards gegen Jacksonville sind aber bodenlos. Außer Chase Brown (207 Yards und 1 TD sind nach vier Spielen nich wirklich gut) ist da auch niemand, der sich hier halbwegs hervor tut. Hier sollten „Mr. Mustache“ und Co. für die Dolphins dafür sorgen können, dass Cincy es über Joe Burrow versuchen muss. Dies wird offensiv der key to win werden. Wenn der QB der Bengals ein Spiel erwischen darf wie das letzte in Miami, dürfte es für die Defense schwer werden. Schafft man es, ihm ein Spiel zu bescheren wie es die anderen Teams aus Florida getan haben, dann sollte die Wahrscheinlichkeit einer Führung stark ansteigen.

Kann Malik Willis abliefern und Ollie Gordon seine Leistung bestätigen?

Wenn die Defense also weiter ableiefern sollte, liegt es an der Offense rund um Malik Willis, Ollie Gordon und Co. die erste Führung der Saison aufzubauen und den Heimsieg unter Dach und Fach zu bringen. Dafür sind die Voraussetzungen eher unter dem Motto „Stärke gegen Schwäche“ und „Schwäche gegen Schwäche“ zu verorten. Im Schnitt geben die Bengals nämlich knapp 250 Yards durch die Luft ab und sind da eher schmal. Im mid range passing game über die Linebacker (Barrett Carter, Demetrious Knight) ist Cincinnati anfällig, kassierte in der Saison reichlich Yards. CB Daxton Hill hingegen ist gar nicht so schlecht, den sollte Malik Willis als target bei einem opponent passer rating von unter 70 wohl vermeiden. Generell gilt hier aber: durch die Luft wurden nur vier TDs abgegeben, in der Vorbereitung eines Drives aber konnten die Gegner durchaus ihre Drives am Laufen halten.

Die Passing offense in Miami ist das große Sorgenkind des Teams. Malik Willis ist nicht konstant genug, übersieht gerne mal bessere Optionen und ist alles andere als akkurat. Eine completion rate von knapp 56,3% ist schlichtweg inakzeptabel. Jameis Winston ist ligaweit der Einzige mit einem schlechteren Wert. Für den Durchschnitt eines Kyler Murray oder Daniel Jones fehlen ihm sieben Prozent oder eben acht bis neun bessere Würfe. Mit nur einem TD und knapp 720 Yards nach vier Spielen ist das passing game nicht gerade eine Stärke. Hinter Malik Washington (219 Yards, 0 TDs) klafft eine deutliche Lücke. Weder Chris Bell (14 targets), noch TE Gred Dulcich (12) oder Kevin Coleman oder Caleb Douglas (je 10 mal angeworfen) kommen aber auf die ausreichende Zahl an Targets. Wenn man wie Bell im Schnitt pro Spiel knapp drei bis vier Mal angeworfen wird und zwei davon fängt, kommt man ohne Yards after Carry – und das ist bei fehlender separation schwer – eben nur auf knapp 90 Yards in der Saison. Hier liegt es an Malik Willis, Wege und Spieler zu finden, denen er die Bälle angemessen zuwirft. Das hat in dieser Saison bisher noch ein wenig gefehlt.

Sowohl im Pass-Spiel als auch im rushing game schmerzt das Saison-Aus von Devon Achane natürlich kontinuierlich. Gegen eine sehr gute Lauf-Defense (mit unter 100 Yards Platz 8 der NFL) müssen nun Jaylen Wright und vor allem wieder Ollie Gordon beweisen, dass die Leistungen gegen die Vikings kein Ausrutscher waren. Mit 148 Yards und zwei TDs führt Gordon inzwischen die Statistik der rushes bei den Dolphins an. Allerdings fehlt es ihm noch ein wenig an qualitativer Konstanz, die er gegen die run defense der Bengals auch erst einmal wird durchsetzen müssen. Dexter Lawrence ist zwar „nur“ 14.bester gegen den Lauf (in der Liga), das allerdings bei lediglich 55 snaps gegen den run. Boje Mafe (PFF grade gegen den run von 77,6) ist aber ebenfalls auf dem zehnten Platz der DEs zu finden. Laufen und die Wege freizublocken, kann ebenfalls ein key to win sein.

Das Problem der Miami Dolphins (in der O-Line) liegt rechts außen…

Um eben kontinuierlich (scoring) Drives aufzubauen, benötigt Miami vor allem – ja, wie jedes Jahr, sorry – eine stabile offensive Beschützung von Malik Willis. Die linke Seite mit Patrick Paul und Kadyn Proctor sowie Center Aaron Brewer steht dabei ziemlich gut da – gerade auch, wenn man sich den pass rush der bisherigen Gegner zu Gemüte führt. LT Paul ist fünftbester Tackle gegen den Pass (!) bei PFF, Brewer achtbester Center gegen den run. Wobei sein malus gegen den Pass eher auf Strafen denn auf verschuldete Hurries, hits oder Sacks zurückzuführen ist. Auf der anderen Seite der Line sieht das schon anders aus. Jonah Savaiinaea ist zwar nicht mehr der schlechteste Guard der NFL; acht pressures in der pass protection und einige Schwächen im run Blocking sehen ihn aber immer noch im sub 50 – Bereich der Guards. Schwachstelle ist aber ohne Zweifel Austin Jackson. Im run blocking ist der 27-Jährige ja noch einigermaßen okay, aber die Pass protection… er befindet sich derzeit in einem Wettbewerb um das schlechteste PFF grade für diesen Bereich; bei 69 beurteilten Spielern ist Jackson mit seiner 41.7 derzeit NICHT Letzter. 14 pressures, drei Sacks (von 11) und vier Penalties in der bisherigen Saison sind aber auch schwer zu toppen, das liegt jeweils rund um Platz 60 von PFF. Wenn die Bengals clever sind – und das werden sie sein – werden sie ihre pass rusher (mit Dexter Lawrence, Boje Mafe, Cedric Johnson und Jonathan Allen besitzen sie dort ja gute Waffen, um die gegnerische QB-Sicherung unter Druck zu setzen und zu „überladen“) über diese Seite auf die Jagd des Dolphins-Ballverteilers schicken. So oder so ist es eine weitere Probe für Malik Willis auf dem Weg zum kommenden Franchise-QQ der Dolphins oder eben wieder raus aus der ersten Reihe.

FAZIT IM VORFELD

Sei es, wie es sei. Wenn es den Miami Dolphins in einigen Abstufungen gelingt, das offensive Spiel der Bengals in die Hände von Joe Burrow zu legen und die pass rush-Leistung aus dem Vikings-Spiel zu wiederholen, dann werden die Bengals nicht viele Punkte machen können. Das Laufspiel sollten Rodriguez und Brooks im Griff haben. Der ein oder andere Sack ist mit Sicherheit drin. Offensiv wird die Aufgabe aber ungleich schwerer. Wenn Malik Willis gut beschützt werden kann und vor allem die defensive rechte Seite in den Rhythmus findet, dann lassen sich gute Drives über Gordon und „Kurzpassgewichse“ zusammenbauen, so dass die Offensive Punkte produzieren kann. Wie das funktionieren kann, haben Chris Bell und Willis schon bewiesen – und vielleicht sind die Inches ja in diesem Spiel mal auf unserer Seite. Auf jeden Fall sollte das Spiel aber ein weiterer Schritt in eine positive Entwicklung bedeuten. Das die Dolphins nun physischer und giftiger ans Werk gehen, sollte aufgefallen sein. Wenn die Evaluation der Rookies weiterhin so positiv verläuft, dann ist das beinahe wichtiger als das Resultat.

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