RECAP DRAFT – THERE ARE NEW SHERIFFS IN TOWN (MIAMI TEXANS?)

Nach drei intensiven Tagen, der Auswahl von 257 Spielern und der anschließenden Möglichkeit, ungedraftete Spieler (UDFAs) unter Vertrag zu nehmen, haben die Miami Dolphins insgesamt 23 neue Spieler unter Vertrag genommen und ihr roster auf 91 Spieler aufgestockt. Dieser Artikel soll einen kurzen Abriss geben, wer zukünftig für die Dolphins auflaufen wird – zumindest in die OTAs starten dürfte – woher sie kommen und was von ihnen zu erwarten ist. Dies wird in der Unterscheidung zwischen den 13 „Draftees“ und den 10 UDFAs (in einem gesonderten Beitrag) passieren. Eine Einschätzung via Grades soll den Experten überlassen bleiben; ihr Urteil wird an der ein oder anderen Stelle aber integriert werden können. Da Kayden Proctor und Chris Johnson schon einen eigenen Artikel erhalten haben (https://dolfansgermany.miami/recap-des-ersten-draft-tags-2026/), wird diese Auflistung zunächst mit Runde zwei beginnen

PICK 43: JACOB RODRIGUEZ, LB, TEXAS TECH

Mit Linebackern von Texas Tech kennt man sich bei den Miami Dolphins ja bestens aus. Aus dem aktuellen roster trifft dies ja auf Jordyn Brooks zu. Nimmt man die Tatsache hinzu, dass der neu zu den Fins kommende 23-Jährige Rodriguez als „undersized“ mit seinen 1,85 gilt, landet man in der Historie schnell bei dem Namen Zach Thomas. Darüber hinaus gibt es aber nur positives über diesen Pick zu berichten. Von einigen Experten in die erste Runde projected, konnte er diverse Auszeichnungen für sein letztes Jahr einsammeln und gilt als zweitbester LB des Jahrgangs hinter Sonny Styles, der zu Washington ging. Darüber hinaus landete er bei der Wahl zum besten Spieler des Jahres, der Heisman trophy, auf Platz fünf. Von ihm lässt sich auf und neben dem Platz einiges erwarten, die Zahlen sprechen hier für sich. Die Tatsache, dass er auf der Highschool Quarterback gespielt hat, kommt als kleines Schmankerl noch oben auf die Torte. Er gilt als sehr athletisch, hochtalentiert, hart arbeitender Spieler mit Leader-Mentalität und könnte – auch aufgrund seiner Playmaking-skills – zu einem echten Anker in der Defense werden. Wenn er denn das in die NFL übertragen kann, kann er über Jahre einer der starter in der Dolphins-Defense werden. Kritisiert wird der Pick von keinem, sondern sehr positiv bewertet.

PICK 75: CALEB DOUGLAS, WR, TEXAS TECH

Etwas anders ist der Fall bei seinem Teamkollegen gelagert. Wirklich in den Top 150 wurde Caleb Douglas nicht projected – wenn er auch im Pre Draft-Prozess als möglicher Day 2-Pick galt und diverse Top 30 visits und private workouts hinter sich gebracht hatte. Schon beim Combine hatte er NFL-Experten beeindruckt; dennoch wurde er mehrfach auch erst in R5 oder sechs gesehen; an 75. Stelle gab es diverse Namen auf WR, die man dort eher vermutet hätte. Zwar bildet er mit seinen knapp 1,90, seiner enormen Athletik, der Einschätzung als sog. „deep threat“ und seines noch jungen Alters mit 22 Jahren ein Element ab, welches die Dolphins in ihrer Passempfänger-Garde gut gebrauchen können. Eine Kritik ob der frühen Draft-Position ist aber sicher nicht von der Hand zu weisen – und Douglas wird sich daran messen lassen (müssen). Es wird sich auch zeigen, ob Douglas überhaupt der bessere der beiden WRs sein wird, die Miami am zweiten Tag ausgewählt hat. Bevor wir zu Nummer zwei kommen, aber zunächst ein weiterer – etwas überraschender – Pick.

PICK 87: Will Kacmarek, TE, Ohio State

Auch diesen Spieler hatte man an Position 87 nicht unbedingt erwartet. Er bietet aber genau die skills eines TE massiv an, die Miami gebrauchen kann. Von vielen Experten wird er als „sechster O-Liner, der auch Pässe fangen kann“ beschrieben. Seine Stärken liegen im wahrsten Wortsinn in seiner Athletik und den Blocking-Fähigkeiten, die herausragend sind. Die Tatsache, dass bei Ohio State Max Klare als Anspielstation vor ihm war, lässt diese Qualitäten etwas unter dem Radar erscheinen. Das kann er aber auch und er wird zeigen dürfen, ob sich diese in der NFL entwickeln lassen. Da die Dolphins mit Achane im letzten Jahr aber bereits mit sechs Linemen agiert hat (was an der Tatsache lag, dass Waller und Julian Hill bedingt blocken konnten), füllt er eine Lücke in der Offense mehr als manierlich aus. Wenn er darüber hinaus zu dieser in der NFL äußerst gefragten Fähigkeit noch den ein oder anderen Catch einstreut, kann man durchaus von einem Gewinn sprechen. Er soll – und das unterstreicht seinen Einsatz – darüber hinaus als Fullback geeignet sein.

PICK 94: CHRIS BELL, WR, LOUISVILLE

Im Gegensatz zu Kacmarek wird der Pick von Chris Bell am Ende der dritten Runde als echter Steal wahrgenommen, doch das Negative vorweg: seine production hat unter der Verletzung gelitten – im November hat er sich eine ACL-Verletzung zugezogen. Das hat sicherlich einige franchises davon abgeschreckt, den hoch talentierten Pass-Empfänger mit potentiellem 1st round grade auszuwählen. Er soll aber vor seinem Regenerationsplan und zu Saison-Beginn fit sein und wenn man „WR Coach-Guru“ Tyke Tolbert und dessen Coaching abilities vertrauen möchte, kann aus Chris Bell ein richtig starker WR werden. Er ist ein schneller und dazu noch physischer boundary Ball-Träger, der diese Stärken auch in der NFL wird zeigen dürfen. Er dichtet damit eine Lücke im Kader der Fins ab und es ist nicht unwahrscheinlich, dass er sich zu einem sehr soliden NFL-Profi entwickelt – wenn er an seine Produktion vor der Verletzung wird anknüpfen können.

Und wieder Texas mit Pick 130: TREY MOORE, LB/EDGE, TEXAS

Angeblich ein Target des Divisions-Rivalen aus New England (die nicht mehr vor Pick 130 kamen um ihn nehmen zu können), ist Trey Moore ein wenig undersized. Das, was ihm an Größe fehlt, macht er aber durch production und Einsatz wieder wett. Darüber hinaus hat er die Möglichkeit, hybrid entweder als LB oder EDGE defender eingesetzt zu werden. Er sollte dem pass rush der Dolphins im schlechtesten Fall als Backup neue Stärke verleihen, wenn er bei der University of Texas zuletzt auch nicht starter war. Er hat ein variables skill set an diversen Moves zu bieten, um auf QB-Jagd gehen zu können. Seine Athletik (abseits der Größe) spielt dem positiv als Argument zu.

PICK 138: KYLE LOUIS, LB, PITTSBURGH

Hierbei handelt es sich um den Pick, den die Dolphins im Trade mit den 49ers zusätzlich zu Pick 27 bekommen haben – der ehemalige Pick 90. Die Stärke von Kyle Louis sind seine Versatilität und seine Variabilität. Er könnte sowohl als Linebacker, aber auch als Box Safety bei den Dolphins eingesetzt werden – und das macht ihn für Miami hoch interessant. Das Zitat „one of the steals of the whole Draft“ macht derzeit die Runde. Dieses Prädikat hat der gerade 22-Jährige unter anderem beim Senior Bowl unter Beweis gestellt. Stark in der Coverage, schnell, athletisch – das brachte ihm nicht nur eine Nominierung zum Second-team All-ACC ein, sondern er konnte dort auch seine Tackle-Qualitäten unter Beweis stellen. Nicht verschweigen sollte man aber auch bei ihm nicht die Concerns wegen seiner geringen Größe – daher auch die Überlegung, ihn evtl. nicht als Linebacker, sondern als Safety, aufzustellen. Wenn die Dolphins aber einen Plan haben, wie sie ihn positiv einsetzen können, kann er dies mit guten/sehr guten Leistungen zurückzahlen und zu einem echten Gewinn des Drafts werden.

PICK 158: MICHAEL TAAFFE, S, TEXAS

Was fehlte bei den Dolphins bisher? Bestimmt kein Pick eines Spielers aus einem College aus Texas – und dies repräsentiert Safety Michael Taaffe. Reunited mit Quinn Ewers oder Vorbereitung des 2027er-Picks von QB Arch Manning – zum zweiten Mal bedienen sich Jon-Eric Sullivan und Jeff Hafley bei den Longhorns und zum insgesamt vierten Mal in diesem Bundesstaat. Spoiler: das letzte Mal ist das nicht in 2026 passiert ;-). Als die Panthers nach vorne wollten, haben die Dolphins statt an 151 an 158 ausgewählt und zusätzlich zu Michael Taaffe noch Pick 227 zu 200 geupgradet (in welche Richtung sie da wohl gegangen sind? ^^).

Der 23-Jährige gilt – wie einige seiner Vorgänger auch – als ein wenig undersized, hat aber bei der University of Texas seine Team leader-Qualitäten deutlich aufgezeigt. Dazu kommt eine herausragende Coverage-Quote sowie sein durchaus erwähnenswerter Football-IQ. Dies muss dann die körperlichen Defizite ein bisschen ausgleichen und stellt die Fragezeichen beim Spieler dar. Reicht dies in der NFL aus, um mehr zu sein als ein Special Teamer? Denn das wäre der worst case – Nachfolger von Elijah Campbell zu werden. Im best case kann er aber auch einen Impact in der Secondary der Dolphins haben. Dann kann er sich durchaus zu einem steal entwickeln und starter sein; die Spielfähigkeiten dazu hat er am College nachweisen können. Die off field-Sympathie und die zu erwartende Arbeit in der Community South Floridas sollten für seinen Status darüber hinaus sicher nicht von Nachteil sein; soft skills, die schon bei der Auswahl von z.B. Proctor oder Rodriguez ein kleines Argument dargestellt haben.

PICK 177: KEVIN COLEMAN, WR, MISSOURI

Die Argumente für den ersten der beiden Spieler, die man unter Zuhilfenahme der an Tag 1 eingesammelten Picks für den Downtrade von 11 auf 12 ausgewählt hatte, liegen ebenso deutlich auf der Hand. Der 22-jährige Kevin Coleman bietet im Gegensatz zu den beiden anderen WRs des Draft-Jahrgangs der Fins nämlich die Einsetzbarkeit als slot Receiver. Er läuft die 40 Yards in unter 4.5 Sekunden und dürfte vornehmlich die Rolle eines D´Wayne Eskridge ersetzen, als Returner im special Team seinen zweiten Einsatz-Ort finden. Er bietet trotz seiner eher kleinen Statur sichere Hände und hat dies deutlich beim Senior Bowl zeigen können. Die Tatsache, dass er in vier Jahren an vier verschiedenen Colleges durchaus abgeliefert hat, lässt sich als Vor- und als Nachteil auslegen; bei Jakeem Grant (der zugegebenermaßen schneller war; der wurde übrigens an 186 in seinem Draft-Jahr ausgewählt) hat Größe ja auch selten eine Rolle gespielt. Aber von einem zusätzlich erworbenen Pick Ende der 5. Runde (vielleicht etwas früh) darf man auch nicht mehr erwarten.

PICK 180: SEYDOU TRAORE, TE, MISSISSIPPI STATE

Was man von Seydou Traore erwarten kann, ist hingegen etwas schwer einzuschätzen. Er gehört dem International Pathway Program an und ist gebürtig aus Paris, aber in London aufgewachsen. Der Tight End hat seinen Lebensmittelpunkt inzwischen in den USA und hat die Colleges von Arkansas State und Mississippi State besucht. Er braucht zwar noch einiges an development, hat aber durchaus starke Elemente bereits unter Beweis gestellt. Als ehemaliger Fußball-Torwart hat er extrem sichere Hände und zählt auch die Athletik zu einer seiner Stärken. Es wird spannend sein zu beobachten, ob das für einen roster spot in der NFL ausreichen, wie er sich in der NFL entwickeln wird und welchen Impact er haben kann. Angedeutet hat er dies in seiner College-Zeit durchaus. Dann wird sich weisen, ob der Pick mehr ist als ein Business move aufgrund der Vermarktungsrechte im Vereinigten Königreich.

PICK 200: DJ CAMPBELL, G, TEXAS (es wurde wieder Zeit…)

Ganz offensichtlich hatte der Scout beim Pro Day der Longhorns jede Menge zu tun. Mit Guard DJ Campbell, der in den letzten drei Jahren als RG u.a. auch vor Quinn Ewers agiert hatte, nehmen die Miami Dolphins den dritten prospect der University of Texas ins roster auf. Sie unterstützen damit in erster Linie die Breite der O-Line-Position, obgleich auch ihm die Körperlänge abgeht. Nichtsdestotrotz hat er lange Arme und war Teil einer Unit, die zu den stärksten Lines im College-Football zählte. Auf dieser Ebene konnte er einiges an Erfahrung gegen die besten Defenses sammeln. Zwar wird ihm mangelnde Athletik nachgesagt, aber die macht er durch Stärke und Spielintelligenz auf NFL-Niveau vielleicht wieder weg. Spannendes prospect mit Entwicklungs-Potential. Auf jeden Fall aber mit dem Anspruch, ein vernünftiger Backup in der Liga werden zu können.

PICK 238: MAX LLEWELYN, EDGE, IOWA

Mit dem finalen Pick der 2026er Draft-Klasse entschieden sich die Miami Dolphins für den Edge Defender von Iowa, der an dieser Stelle sicher als deutlicher Steal gelten kann. „Mr. Spin move“ war von den meisten Experten sicherlich eine Runde und 50 Picks früher erwartet worden. Er hat von der reinen Size her die Möglichkeit und in der Praxis umgesetzt, den gegnerischen QB unter Druck zu setzen. Allerdings kommt auch bei ihm die Kürze der Arme zum Tragen, die sich auf NFL-Niveau negativ auswirken und eine Karriere verhindern könnte. Mit in sein Buch muss man ihm auch den Mangel an Explosivität in der Form schreiben, die sich auf Profi-Niveau gegen ihn auswirken könnte. Aber gut, wenn er mehr werden sollte, als ein veritabler Edge-Backup (immerhin steht nach einem Besuch von E.J. Epenesa sowie der Kader-Ausstattung von Chop Robinson, Josh Uche, David Ojabo oder Robert Beal eine nicht ganz schlechte Unit zusammen), dann wäre das sicherlich überraschend und er wird um einen Platz im roster schwer zu kämpfen haben. Er besitzt aber sicherlich einige Fähigkeiten, die das mit etwas Unterstützung als möglich erscheinen lassen. So bildet er den Abschluss der 13 Spieler starken Draft-Klasse.

Kategorien:

Keine Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert