RECAP DES ERSTEN DRAFT-TAGS 2026

Damit ist seit heute Nacht auch der erste Tag des 2026er NFL Drafts in Pittsburgh Geschichte. Es gab einige spannende, einige kuriose und ziemlich wilde Personal-Entscheidungen der NFL-Franchises und in der ersten Runde bzw. rein oder raus insgesamt acht Trades. Das allerdings die Miami Dolphins an zwei von denen aktiv beteiligt sein und an keinem der an Tag 1 ursprünglich verliehenen Spots auswählen würden, war dann doch etwas erstaunlich. Aber alles der Reihe nach…

Das die Cardinals an drei einen RB picken würden, war im Vorfeld bei dem ein oder anderen Experten auf dem Zettel gelandet. Das Carnell Tate als erster WR diese Positions-Gruppe anführen könnte, war ebenfalls keine Überraschung. Allenfalls der Zeitpunkt an Position vier mutet doch ein wenig früh an – aber gut. Daraus resultierend mussten die Saints dann mit Jordyn Tyson Vorlieb nehmen. Mit Fano und Mauigoa an 9 (statt an 6) und 10 sowie mit Mansoor Delane (an 6 statt 9) zu den Chiefs musste man beinahe rechnen, so dass für die Dolphins eigentlich der Weg geebnet war für einen Pick von Safety Caleb Downs (Ohio State). Im Front Office werden einige Telefonate getätigt worden sein und ganz offensichtlich hatte man die Safety-Position an dieser Stelle nicht auf dem Plan, war von der körperlichen Konstiturion des 21-Jährigen nicht überzeugt.

So gab man letzten Endes den 11. Pick an eine Franchise ab, die Herrn Downs anders bewertete. Für zwei Picks in der fünften Runde (Nr. 177 und 180) machte man Pick 11 frei und zog sich eine Position weiter hinten hinter die Cowboys zurück. Vom Value her absolut nachvollziehbar. Laut des Value charts (https://www.drafttek.com/NFL-Trade-Value-Chart.asp) 50 Punkte, die Jerry Jones und Co. knapp 40 Punkten abgolten. Da Miami an 11 wahrscheinlich den selben Spieler genommen hätte, ein zusätzlicher „Bonus“ in einer Range Ende R5, die bislang durch eine Pick-Lücke geprägt war. Konnte man nach Auswahl Nummer 151 bislang erst an 227 wieder agieren, bieten diese beide Picks nun Möglichkeiten – entweder für weitere Trades oder für Spieler im hinteren Bereich.

DER ERSTE PICK DER MIAMI DOLPHINS AN POSITION 12 (genau)

Letzten Endes entschied man sich für Kayden Proctor von Alabama. Der noch 20-jährige Offensive Tackle kann auf drei Jahre bei der Crimson Tide zurückblicken. Er misst stattliche 2,01 Meter und bringt so um die 160 Kilogramm auf die Waage. Er ist damit tatsächlich der schwerste O-Liner im erweiterten Draft-Prozess. Für diese Verhältnisse hat er beim Combine aber amtlich abgeliefert, beim Athletic Score 9.28 von möglichen 10.00 Punkten erreicht. Also herausragende körperliche und explosive Werte – bei der generellen Schnelligkeit hapert es ein wenig. Der junge Mann hat alle seine 39 (von maximal 41 möglichen) Spiele auf der LT-Position bestritten. Er soll aber angeblich alle vier Positionen der O-Line außer Center bekleiden können. Ob Miami ihn neben Patrick Paul auf LG oder LT setzt, um Jonah Savaainaea auf seine „angestammte“ RG-Position zu bewegen und mit Center Aaron Brewer sowie RT Austin Jackson die protection für Malik Willis zu bilden, wird man abwarten müssen. Es erscheint aber wahrscheinlich.

Proctor ist ein herausragender Blocker, was ihm den durch Wahl von Spielern und Trainer verliehenen Jacoby Blocking Trophy in der SEC einbrachte; er war darüber hinaus für den Lombardi Award nominiert, der „die höchsten Standards an Charakter, Disziplin und Exzellenz – auf und neben dem Platz“ honoriert. Besonderes Schmankerl: Kadyn Proctor spielt auch mal gerne Ball-Träger, wäre in Goal line-Situationen als „Ramm-Bock“ einsetzbar. Es waren bei „Bama“ zwar nur 5 Versuche für 16 Yards, aber er hat diese Läufe in der abgelaufenen Saison gemacht.

Nun lässt sich im Hinblick auf seine vorherige Positionierung auf den Big Boards der NFL die Stelle kritisieren, an der man den Spieler genommen hat. Es lässt sich die Entscheidung kritisieren, warum man sich bei der Offensive Line gegen z.B. Ioane (Guard, Penn State, zu den Ravens) oder Blake Miller (OT, an 17 zu den Lions) entschieden hat. Die beiden waren auf dem Industry Consensus Board an 13 bzw. 17 vor Proctor (an 19 dort) einrangiert. Mike Renner von CBS hatte ihn aber im anderen Extrem als besten O-Liner der Klasse. Letzten Endes ist es irgendwas dazwischen. Sein junges Alter, die hohe positionelle Flexibilität, sein massiver Körperbau und Co. haben aber wohl die Waage in seine Richtung kippen lassen. Zumal (und da werden die Lions wieder relevant) Detroit dem Vernehmen nach wohl einen Uptrade an die 13. Position plante, um den Tackle von Alabama einzusammeln. Seine für die Größe „außergewöhnliche Beweglichkeit und Balance“ (Renner) müsste vom neuen Coaching staff nur in die NFL übertragen werden – da die Dolphins nicht auf einem SB run sein werden, noch nicht die kommende Saison – vielleicht aber im zweiten oder dritten Jahr. Die Upside dazu bietet Kadyn Proctor in der Theorie – und das er ein need bedient, steht außer Frage. Zach Yenser, Matt Applebaum – bitte übernehmen Sie!

DER ZWEITE DOLPHINS-PICK AN POSITION 27

Auch mit ihrem zweiten, im Rahmen des Waddle-Trades erhaltenen, 1st round Pick blieben die Miami Dolphins nicht an der ursprünglichen Position (an 30) sitzen. Man musste davon ausgehen, dass eins der Teams in der range vor den Dolphins (in diesem Falle also Buffalo, die von 26 an 28 runter tradeten, oder die Chiefs an 29) den Spieler dem Vernehmen nach haben wollte, die Dolphins waren also zum Handeln gezwungen. Sie setzten die Picks 30 und 90 (in der dritten Runde) ein, erhielten von den 49ers die Picks 27 und 138 am Ende der vierten Runde zurück. Also einer der sieben Picks unter 100 um eine Runde nach hinten geschoben, um den Wunsch-Cornerback zu erhalten. Denn nichts anderes wird Chrid Johnson, CB von San Diego State, gewesen sein. Bis auf Mansoor Delane waren noch alle Spieler dieser Gruppe zu haben und Miami entschied sich für den 21-Jährigen von den „Aztecs“, die eher zur zweiten Reihe der Colleges zählen. Die höchste Competition auf College-Niveau geht ihm also ab. Dennoch ließ man Jermod McCoy (Tennessee, sein Knie scheint eine erhebliche red flag zu sein), seinen Teamkollegen Colton Hood, Clemsons Avieon Terrell oder Indianas „National champion“ D´Angelo Ponds links liegen und wählte Johnson aus.

Auch bei diesem Neu-Dolphin fällt vor allem die Athletik in Verbindung mit der beim Combine gezeigten Leistung ins Auge. Bei nahezu allen Statistiken fiel der knapp 1,80 große (oder besser etwas schmächtige) Spieler positiv auf. Er läuft die 40 Yards in 4,4 Sekunden – damit kann er mit den schnellen WRs durchaus gut mithalten. Er ist gut in der Coverage, er bringt eine gewisse Toughness und Athletik mit nach Miami. Wie schon bei Proctor ist die Athletik ein weiteres Plus des 21-Jährigen. Hier scheint sich ein Muster abzuzeichnen, wie das neue Front Office draften und agieren möchte. Das er im CB room der Dolphins sehr schnell ein Need abdecken könnte, steht außer Frage. Auch bei ihm ist es aber so, dass er im nächsten Jahr diese Lücke nicht nur ausfüllen, sondern für einen längeren Zeitraum schließen könnte. Das Potential hierzu besitzt Johnson in jedem Fall und die Unterschiede zwischen ihm und den für die zweite Runde verbliebenen Positions-Kollegen sind marginal. Das sieht man nicht nur an der Tatsache, dass sich die NFL-Grades alle im Bereich von 0.1 Punkten bewegen.

An dieser Stelle wäre für viele Beobachter ein WR sicher möglich gewesen; mit Boston, Brazzell II., Branch, Bell und Bernard sind aber noch fünf Spieler verfügbar, die sich wieder nicht großartig von einander in der reinen Klasse unterscheiden, aber unterschiedliche skill sets bieten. Nimmt man die fünf WRs, die schon angesprochenen drei (mit Carolinas Brandon Cissé sogar vier) Cornerbacks dazu, addiert die DT Kayden McDonald und Christen Miller/S Emmanuel McNeill-Warren und Jalen Kilgore/EDGE Zion Young, Derrek Moore, Gabe Jacas und Cashius Howell/LB Anthony Hill, Jake Golday und Jacob Rodriguez/die Guards Pregnon und Bisontis – insgesamt 23 Spieler, von denen nur (maximal, ich will nichts ausklammern) zehn bis zu Miami vom Board genommen werden. Da erscheint es unwahrscheinlich, dass man an Position 43 nicht noch eine große und gute Auswahl haben dürfte, welcher Spieler sich zu Proctor und Johnson gesellen wird. Eins scheint aber gewiss: Size und Athletik matter in Miami 😉

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