Vor dem Draft 2024 – so sind die Miami Dolphins aufgestellt und hier sind die voraussichtlichen Needs des Vereins (Stand 09.04., Updates möglich ^^)

Wie jedes Jahr treffen sich alle 32 franchises der NFL Ende April in einer US-amerikanischen Großstadt, um einen weiteren Jahrgang hoffnungsvoller und talentierter junger Männer unter den Clubs aufzuteilen. Ich möchte auch gar nicht groß auf gewisse Aspekte des Drafts eingehen, das hat Marcus an dieser Stelle (https://dolfansgermany.miami/draft-wie-funktioniert-das/) schon perfekt ausgearbeitet. Dieser Artikel soll in erster Linie eine Bestands-Aufnahme des rosters vor dem Draft und ein Hinweis dafür sein, wie die Herren im Dolphins war room am Draft day handeln und welche Spieler sie auswählen könnten. Das dies nicht immer so einfach ist, hat das letzte Jahr gezeigt. Mit einem CB in Runde zwei hatten pre Draft sicher die Wenigsten (auch die wenigsten US-Experten) gerechnet, schon eher mit einem RB in Runde vier – und was für einem. Herr Achane wird den Dolphins sicher auch in 2024 viel Freude bereiten.

So sieht das momentane Roster aus und wo sind noch Needs?

I. Offensiv

Betrachtet man das aktuelle roster der Miami Dolphins, fallen einem Unterschiede zwischen Qualität und Quantität auf. Das betrifft weder die QB-Position (Tua, White, Thompson als Trio ist absolut stabil) noch die RBs. Mostert hat jüngst verlängert, Achane geht ins zweite Jahr, Jeff Wilson und Salvon Ahmed haben dieses Jahr Vertrag, Chris Brooks bis 2025 und FB Alec Ingold sogar bis ins Jahr 2026. Auf diesen beiden Positionen, FB und RB, hat man beim Draft keinen primären need. Das bedeutet nicht, dass man nicht einen Spieler – gerade late round – auswählen könnte; es ist aber eher unwahrscheinlich.

Etwas wahrscheinlicher schon wäre es, wenn die Dolphins noch einen jungen Tight End ziehen würden. Durham Smythe und Jonnu Smith haben als die beiden „Elefanten“ im Raum beide noch bis 2025 Vertrag, einen Joey Fortson hat man jüngst für ein Jahr mit etwas signing bonus (25k) unter Vertrag genommen. Dazu hätte man aber nur noch Julian Hill (auch bis 2025) in den Büchern. 343 snaps offensiv und 91 im Special Team in der NFL zeigen, dass der 23-jährige Hill mehr Quantität als Qualität repräsentiert. Auswahl in einer der späteren Draft-Runden ist durchaus möglich; bis auf Brock Bowers (Top 10-Prospect von Georgia) und Ja´Tavion Sanders von den Texas Longhorns (mit dem sich die Fins schon mal unterhalten haben sollen) sehe ich an Tag 1 und 2 auch keine Tight Ends vom Board gehen – das war letztes Jahr anders. Unter anderem deswegen hat man ja auch Jonnu Smith geholt.

Den Need bei den Wide Receivern zu beschreiben, fällt wieder unter die Kategorie „Quantität vs. Qualität“. Tanner Conner, Anthony Schwartz, Braylon Sanders, Matthew Sexton zähle ich mal nicht auf, weil sie aus meiner Sicht keine ernsthaften Kandidaten für die 53 sind. Bleiben Tyreek Hill (Vertrag bis 2026), Jaylen Waddle – dessen Rookie-contract noch bis Ende 2024 läuft, dessen 5th year option man aber für 2025 zu 1000% ziehen dürfte – Braxton Berrios, River Cracraft (beide mit one year-Contracts) und Erik „Eazy E“ Ezukanma, dessen Rookie-Vertrag noch zwei Jahre läuft. Quantitativ reichen diese fünf nicht aus – und die anderen vier zähle ich ja nicht mit. Also braucht Miami noch einen Receiver, im Idealfall einen für hinter Hill und Waddle. Deswegen liegt „OBJ“ ja ein Angebot der Fins vor (mit Tyler Boyd soll man sich ebenfalls beschäftigt haben). Ob er das vor dem Draft annehmen wird, ist fraglich. WR steht also auf dem Need-Zettel der Miami Dolphins recht weit oben und es sollte niemanden überraschen, wenn an Tag 1 oder 2 ein Spieler der Position im Draft gezogen würde – gerade auch, weil Tyreek ja nicht ewig spielen wird. Der Draft ist hier qualitativ an den ersten beiden Tagen sehr tief – Miami könnte hier auch erst in Runde 2 oder 3 qualitativ hochwertig fündig werden.

Noch weiter oben auf dem Zettel steht nur (Freddie Frinton-like – das ist der Butler von „Dinner for one“ übrigens) wieder mal das Thema Offensive Line. Auf die Gerüchte, dass der ab sofort von Miami-Resident und Dolphins-Intimus Drew Rosenhaus vertretene Dalton Risner hier landet und/oder Connor Williams (auch bei Rosenhaus…) seine Verletzung überwindet und unterschreibt, darf man vor dem Draft nicht viel geben, daher das nur am Rand.

Wichtiger ist die Draft-Strategie: Wird es wieder „the same procedure as every year“ unter Chris Grier, dass Miami – mit Ausnahme von Austin Jackson – in Runde 1 keine O-Liner auswählt? Oder bricht man mit dieser Vorgehensweise und nimmt einen Guard (UConns Christian Haynes ist eher R2 als Day 1-Prospect/Dukes Graham Barton), einen Tackle (weil Armstead wohl nächstes Jahr nicht mehr spielen wird; Kandidaten in R1 sind u.a. Georgias Mims, Alabamas Latham, Penn States Fashanu oder Oklahomas Tyler Guyton) oder einen Center (Oregons Jackson Powers-Johnson oder West Virginias Zach Frasier sind hier denkbare Optionen – wenn man sich das Board nach unten bewegen kann. An 21 wäre das noch reichlich früh).

Zwar sind viele Spieler des Dolphins-Kaders in der Line variabel und können flexibel mehrere Positionen ausfüllen:

  • Terron Armstead (verletzungsanfälliger LT, der eigentlich aufhören wollte und nach der Saison mit ziemlicher Sicherheit aufhören wird – trotz Vertrag bis 2026. 17 Spiele schafft er ohnehin wohl nicht)
  • Aaron Brewer (neu bis 2026 verpflichtet, kann Guard und Center spielen. Da die Dolphins derzeit keinen anderen gelernten Spieler mit Qualität haben, wohl starting Center)
  • Isaiah Wynn (Guard oder Tackle, rechts wie links. Letztes Jahr bis zur Verletzung starting LG und mit einem One year – contract ausgestattet)
  • Austin Jackson (Vertrag bis 2026; hat sich durch gute Leistungen als RT der Fins wohl fest gespielt)
  • Jack Driscoll (neu verpflichtet von den Eagles für ein Jahr. Kann alles spielen, sogar Busfahrer – übertrieben gesagt. Kein Starter, aber überall solide. Wohl Backup auf beiden Tackle-spots)
  • Der jüngst wieder aufgenommene Kendall Lamm ist ein weiterer Backup-Tackle, der auf beiden Seiten spielen und die Tiefe des Rosters im Bereich O-Line weiter erhöhen kann
  • Liam Eichenberg (noch dieses Jahr Vertrag; gefühlt schon ewig über, aber kommt immer wieder auf diversen Positionen zurück. Hat alle fünf O-Line spots wohl schon gespielt).
  • Robert Jones und Lester Cotton als klare Back-Up-Guards für ein Jahr, Jones rechts und Cotton links
  • Kion Smith und Ryan Hayes als klare Camp-Buddies mit wenig Chancen auf das roster.

Rechnerisch sind das elf Spieler. Das reicht ohne Verletzungen quantitativ aus – den Fins aber sicher nicht. Man muss bedenken, dass Armstead/Wynn und Jones letztes Jahr länger ausfielen/Kion Smith (70 Offense, 45 ST) und Ryan Hayes (0) keine Erfahrung/Lester Cotton, Jack Driscoll und Robert Jones kein starting-Kaliber haben. Bedenkt man das nahende Karriere-Ende von Terron Armstead, hätte man in jedem Fall Bedarf an einem jungen Tackle, der ab Mitte des Jahres spielen können sollte. Durch das re-signing von Lamm wird der Need etwas abgefedert – er ist aber mindestens auf der RG-Position durchaus noch gegeben!

Gerade in der Mitte hat Miami nach der FA von Connor Williams und dessen heftiger recovery Bedarf – und das, obwohl man schon Aaron Brewer verpflichtet hat. Chasen Hines oder Liam Eichenberg sind nicht wirklich Back-Ups. Bedarf ist auf jeden Fall gegeben, Argumentationen lassen sich für jede der Positionen finden. O-Line-Hilfe im Draft ist sehr wahrscheinlich; O-Line Picks sind durch quasi alle Experten und auch hier hoch im Kurs – und zwar mindestens einer. Sonst spielt tatsächlich der unten abgebildete Kion Smith. Ob das Ganze allerdings schon an 21 passiert, ist ungewiss. Die Experten sprechen – gerade bei O-Linern – ebenfalls von einer qualitativ sehr tiefen und guten Draft class. Ein national Champion wartet mit Michigans Zak Zinter auch noch an Tag drei (nur um mal einen Namen zu droppen, den ich gerne haben würde).

II. Die Defense

In der Defense ist es aus nachvollziehbaren Gründen zu mehreren Umstrukturierungen gekommen. Vic Fangio als DC weg, Anthony Weaver aus Baltimore als Nachfolger hinzu geholt. Mehrere mehr oder weniger prägende Spieler der letzten Jahre in der FA verloren (Wilkins, Baker, Ogbah, van Ginkel, Raek Davis, Brandon Jones, Xavien Howard, DeShon Elliott usw.) und – Stand pre Draft – noch nicht ersetzt – quantitativ oder qualitativ.

Qualitativ trifft auf die DTs zu. Abgänge von Wilkins und Davis konnte man nicht adäquat qualitativ ersetzen (wobei man sagen muss, dass es Teair Tart in seiner 2022er-Form als Nose Tackle zumindest Raekwon Davis ersetzen könnte) und so nimmt man vor der Saison mehrere „shots“. Zach Sieler ist safe – der wird bis 2026 einschließlich bleiben. Brandon Pili (knapp 50 snaps in Defense und ST) ist bis 2025 unter Vertrag und klarer Backup, sollte er überhaupt das roster schaffen. Neu hinzu geholt wurden Benito Jones, Neville Gallimore, Jonathan Harris (die drei verdienen mit ihren One year – Deals mehr als das Minimum, haben Chancen auf den Kader), DeShawn Hand, Isiaiah Mack, Daviyon Nixon und kürzlich Teair Tart. Egal, wie viele Spieler man letzten Endes auf der Position braucht – hinter und/oder neben Sieler klafft eine Lücke. Die könnte man durchaus durch einen Rookie füllen. Byron Murphy von Texas (obwohl der an 13 bei PFF ist), Florida States Braden Fiske, Michigans Kris Jenkins, Clemsons Ruke Orhorhoro oder T´Vondre Sweat von ebenfalls den Texas Longhorns könnten an Tag eins oder zwei für Miami interessant sein oder (nach einem Downtrade) werden. Der Bedarf ist hier durchaus gegeben und es ist möglich, dass Chris Grier diesem Need durch einen Rookie begegnet.

Durch einen Rookie begegnet hat man die Linebacker und Edges zwar in den letzten schon durch Channing Tindall (R3 2022) und Cameron Goode (R7 2023) – deren Durchbruch blieb unter Vic Fangio aber aus. Goode hat noch ein Jahr, Tindall noch zwei Jahre Vertrag. Bradley Chubb (2027) und Jaelan Phillips (mit 5th year option bis 2025) wären die Starter, Shaq Barrett (mindestens für ein Jahr in Miami) der rotational Backup. Neben Goode würde aber sicher noch ein weiterer Spieler gut tun. Wieso also keinen EDGE-player draften? Möglich ist dies in jedem Fall – wenn auch nur für die Tiefe.

Bei den Linebackern sieht die Situation ähnlich aus. Mit den neu verpflichteten Jordyn Brooks (- 2026) und Anthony Walker Jr. (Einjahres-Vertrag) wurden zwei LBs zu David Long (noch bis 2024), Duke Riley (noch ein Jahr under contract) und eben Tindall (noch zwei Jahre Rookie contract) hinzugeholt. Zeke Vandenburgh zähle ich mal nicht. Fünf Spieler reichen nicht mal so aus – wenn Miami etwas Konkurrenz möchte, könnte man an Tag drei noch gut und gerne einen LB hinzu holen. Das ist absolut denkbar und möglich – selbst an den beiden ersten Draft-Tagen geht das potentiell.

In der Secondary der Miami Dolphins herrscht ebenfalls noch latenter Bedarf – aber auch hier zählt mal wieder: „Quantität vs. Qualität“. Die Cornerback-Positionen sind mit Jalen Ramsey, Kendall Fuller (beide Elite-Spieler haben noch zwei Jahre Vertrag), dem letztjährigen Rookie Cam Smith mit noch drei Jahren bei den Fins, Ethan Bonner (ebenfalls noch zwei Jahre) sowie Nick Needham und Kohou (nach der 2024er-Serie beide Free Agents) ziemlich gut besetzt – sowohl quantitativ als auch qualitativ. Gute Qualität versprechen auch die Safeties Jevon Holland (Vertrag läuft nach der Saison aber aus) und Jordan Poyer (für ein Jahr von den Bills geholt). Dahinter aber besteht der Bedarf. Elijah Campbell und Siran Neal (auch neu von aus Buffalo) möchte man ungern auf dem Platz sehen, sie sind in erster Linie Special Teamer. Wenn man bedenkt, dass Jordan Poyer schon 32 ist, liegt der Bedarf an mindestens einem Safety auf der Hand. Das kann schon an Tag 1 oder zwei passieren, so dass der neue Rookie hinter Poyer und vom ehemaligen All Pro-Safety lernen kann. In Runde eins ist höchstens Minnesotas Tyler Nubin denkbar, an Tag zwei Georgias Jevon Bullard, Washington States Jaden Hicks oder Kamren Kitchens von den „U´s“. Damit meine ich keinen Spieler der Paderborn Untouchables (Baseball), sondern einen Absolventen der University of Miami. Geheim-Tipp wäre Georgias Tykee Smith, den PFF an 118 rankt – oder Sione Vaki bzw. Cole Bishop von den Utah Utes. Der Need an einem Safety ist aber gegeben – trotz Poyer und Neal.

FAZIT

Die meisten Experten sehen die O-Line als großes Need im Vorfeld des 2024er-NFL-Drafts. Wie eine Analyse des Rosters der Dolphins aber zeigt, ist das nicht die einzige Position, bei der man sich einen Pick als gut eingesetzt vorstellen könnte. Wide Receiver drei (sollte OBJ nicht unterschreiben), ein talentierter Safety, ein bis zwei Spieler auf der Linebacker-Position, evtl. ein Tight End, ein Lineman der Interior Defense – möglich ist hier einiges. Je nach Verlauf des Drafts wird es die Aufgabe von Chris Grier und Co. werden, hier verschiedene Aspekte abzuwägen und im Blick zu behalten. Bis auf einen Cornerback würde ich sogar alles verstehen können ^^

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Eine Antwort

  1. Hardy sagt:

    Klasse Bericht – Wie immer! Weiss deine Arbeit zu schätzen.

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