
Was für ein Montag! Es ist gestern in East Rutherford/New Jersey etwas passiert, das einige Experten den 2026er Miami Dolphins gar nicht zugetraut hätten. Die Miami Dolphins gewinnen ein Spiel, Jeff Hafley sein erstes als Head Coach der Fins und das traditionelle MetLife takeover wird mit einem Auswärts-Erfolg gekrönt. Dieses Spiel hat in seiner Auswirkung einige Fakten zu bieten und natürlich lohnt sich auch die Review auf diesen ersten Sieg der aktuellen Saison. Wie kam er zustande, wie haben sich die Rookies angestellt, warum können die Miami Dolphins Football-Spiele gewinnen und vieles mehr. Alles dies soll kurz betrachtet werden.
1. Bevor wir zum Spiel kommen – die Auswirkungen auf die Draft order
Es besteht die Frage, ob Jon-Eric Sullivan und seine Mitstreiter in die Saison des Übergangs und Neu-Aufbaus gegangen sind, um asich Draft Pick #1 im kommenden Draft zu farmen. Einige werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, dass die Mannschaft das gestrige Spiel tatsächlich gewonnen hat. Dazu ein ganz großes ABER, denn: betrachtet man sich den Record, stehen lediglich die LA Chargers (an diesem Wochenende spielfrei) noch sieglos dar. Wenn Miami wirklich auf der Suche nach einem neuen QB WÄRE, dann wären die Chargers mit Justin Herbert keine Konkurrenz. Zweitens: sollte es tatsächlich doch so sein, dass die Chargers immer diesen einen Win weniger hätten als die Fins – der Christmas Gameday (27.12.) weist ein direktes Duell der beiden Teams aus. Wenn man also wirklich auf die eins schielen wollte, man müsste im HRS nur den Gast gewinnen lassen und alles wäre wieder fein.
Weitere Konkurrenten mit lediglich einem Sieg sind die Commanders und die Titans. Die spielen aber ebenfalls noch gegeneinander und der Schedule der Mannschaft aus der AFC South ist nicht sooo schwer. Houston und Indy als Divisions-Rivalen haben ebenfalls erst zwei Siege, da wird sicher der ein oder andere Win für die Tennessee-Truppe abfallen. In der Rückschau der letzten Jahre sah es ja auch eher selten so aus, dass der Draft-Zweite weniger als drei Siege auf dem Konto hatte. 2025 lagen vier Teams mit je drei W´s gleichauf, 2024 Giants/Titans (je 3), 2023 Cardinals/Commanders/Patriots (4) hinter den 2 Siege-Panthers, 2022 Texans/Bears (je drei), 2021 Jaguars/Lions (je drei). Lediglich im Jahr 2020 hatten die Jets mit zwei gewonnen Spielen das „Pech“, dass die Jaguars lediglich ein Spiel gewonnen hatten. Die Dolphins könnten sich in dieser Theorie also noch einen weiteren Sieg „erlauben“, um im Rennen um den ersten Draft pick sehr gut da zu stehen. Sollte halt nur nicht das Spiel gegen die Chargers sein… ^^ aber jetzt mal im Ernst: es sind noch 12 Wochen bis zum Saison-Ende und es ist immer schön, wenn sich das eigene Team konkurrenzfähig zeigt. Derzeit sind 12 Teams (darunter alle Picks der Jets) mit lediglich zwei Siegen ausgestattet. Wenn das Team aus dem Big Apple also alle drei Auswahlen in den Top 10 hätte, würde es ehrgeizig. Es lohnt ein Blick auf die Draft order. Wie aber dieses Jahr gezeigt hat: sooo schlecht draftet das neue Regime im Front Office der Miami Dolphins gar nicht (mehr)…

2.1 Die Dolphins gewinnen das AFC East-Duell I (Rookie watch)
Wer den gestrigen 28:25 – Sieg gegen die New York Jets ausreichend würdigen möchte, der kommt nämlich an der diesjährigen Rookie class gar nicht vorbei. Nicht unbedingt auf den ersten Blick, denn weder in den Passing stats (in der ersten Hälfte Malik Willis überragend und völlig anders als noch am letzten Spieltag) noch im running game (Ollie Gordon mal wieder mit einem 100+ Yards-game, unterstützt durch Malik Willis (37 Yards, beide je 1 TD auf dem Boden). Die Dolphins bleiben ein run heavy team; bewegten den Ball auf dem Boden bei 41 snaps und lediglich 21 Pass-Versuchen. Das hat sich auch im MetLife nicht geändert. Der Schnitt von 3,8 Yards pro Lauf sagt auch nur die halbe Wahrheit. Jaylen Wright hatte bei seinen sechs runs die undankbare Aufgabe, short yardage zu machen und konnte lediglich acht Yards erreichen; das drückt den Schnitt. Gordon, Willis und Malik Washington (wird ja im playcalling auch als runner eingesetzt) sind bei 4,0 Yards oder darüber. Wenn man sich im Hinterkopf behält, dass Devon Achane ja nächste Saison hinzustoßen wird, konnte sich das auch gestern zum großen Teil wieder sehen lassen. Die Unterstützung durch das run blocking gerade auf der linken offensiven Seite (da steht mit Proctor ein Rookie) konnte sich mal wieder sehen lassen; die „Hauptlast“ gestern trug aber Center Aaron Brewer, der seine Sache mal wieder hervorragend gemacht hat. Generell bekam Malik Willis eine gute Protection, wurde lediglich zwei Mal zu Boden gebracht (mindestens einer ging auf die rechte Seite). So hatte er Zeit und konnte die Bälle verteilen.
Apropos Ball verteilen und Offensive: vier Punts sind wesentlich besser als in den letzten Spielen, die Drives wurden wurden in der Mehrzahl (okay, 5) mit Punkten zu Ende gebracht – jeder Besuch in der Red Zone z.B. erfolgreich abgeschlossen. Dabei hatten die einzelnen offensiven Drives auch eine entsprechend gute Länge und der Ball wurde sehr gut bewegt; nicht umsonst war der Ballbesitz in knapp 35 von 60 Minuten auf Miamis Seite. Das Coaching von Bobby Slowik sah allgemein sehr variabel und verbessert aus. Vier Akteure wurden ins Laufspiel eingebunden, acht Spieler bekamen im Pass-Spiel targets. Slowik und sein verlängerter Arm auf dem Platz versuchten die Defense der Jets vor Aufgaben zu stellen – und dies gelang ihnen ganz gut. Zwar sind 14/21 jetzt auch „nur“ 66,6% completion rate, das hat man von Malik Willis aber schon schlechter gesehen. Zwei TDs, keinen Ballverlust – dieses Spiel haben die Dolphins auch wegen ihrem QB gewonnen.

Wenn man das Receiving game der Miami Dolphins von gestern in den Blick nimmt, kommt man an den Rookies nicht vorbei. Nicht unbedingt wegen Seydou Traore – obwohl der sein erstes target in der NFL gesehen hat, den Ball aber leider nicht erreichen konnte. Hier teilt er das gleiche Schicksal mit Kevin Coleman Jr., der in diesem Spiel ebenfalls nur einen Ball zugeworfen bekam, diesen nicht catchen konnte. Beide waren aber immerhin statistisch Teil der Offense. Jalen Tolbert z.B. war dies nicht, Will Kaczmarek bekam ebenfalls kein target, war aber immerhin Teil der spielberechtigen Akteure. Das galt insbesondere auch wieder für Chris Bell, der einige gute Catches in der short range machen und so Drives am Laufen halten konnte. Er wird von Woche zu Woche wichtiger werden, ist fester Teil der Rotation. Gestern muss man in erster Linie aber auf Malik Washington, Greg Dulcich und Caleb Douglas zu sprechen kommen. Gestern zeigte der (zu Saison-Beginn umstrittene und dann verletzte) Rookie, warum Miami es für eine gute Idee hielt, ihn an 75 auszuwählen. Er hatte zwar „nur“ zwei Receptions bei drei targets – beides waren aber TDs für insgesamt 70 Yards. Besonders beeindruckend dabei der zweite Touchdown. An der eigenen 37 den Ball gesnappt, zu Douglas an die eigene 41 geworfen – wie der dann aber 59 Yards after catch daraus gezaubert hat, war beeindruckend. Auf Höhe der Mittellinie balanciert er an der Sideline, weicht einem Tackle von Minkah Fitzpatrick aus (für einige DolFans macht es das noch besser) und bringt mit dieser Aktion letzten Endes knapp 5 Minuten vor Ende beim Stand von 21:17 nach Hause.
2.2 Erste Halbzeit hui, zweite mäh – am Ende reicht es dann doch
Generell war das Spiel geprägt durch zwei unterschiedliche Halbzeiten – dies macht der Spielstand von 21:7 bzw. 7:18 aus Sicht der Miami Dolphins ja schon eindrücklich deutlich. Die Miami Dolphins legen los wie die Feuerwehr und knallen einen ersten knapp vier Minuten langen, 76 Yards überbrückenden, ersten Drive mit sieben Spielzügen aufs Feld und krönen diesen mit der ersten Führung der Saison. (!) Es beginnt schon mit einem positiv verlaufenen Kickoff return von Jaylen Wright, der bei den STs allgemein am Sonntag recht ordentlich agiert. Malik Willis und Ollie Gordon mit einem starken run und einem überagenden Pass auf TE Greg Dulcich, aber auch einem starken Pass auf Caleb Douglas zum TD, zeigen die offensive Entschlossenheit des Teams.

Die lässt beim ersten defensiven Play stark zu wünschen übrig. Wie so oft in den letzten Wochen: es kommt besonders zu Beginn der Partie zu wenig Druck auf Geno Smith. Der Jets-QB wird zwar gegen Ende der Partie zwei mal (von Chop Robinson und Malik Herring) zu Boden gebracht werden. Wie in den Spielen zuvor aber hat der QB viel Zeit in der Pocket, so dass Smith 23/30 für 287 Yards und 3 TDs erzielen kann und wie in seiner Prime aussieht. Er bindet in diesem Spiel besonders auch TE Mason Taylor ein – was für zwei Geschichten sorgt, nicht nur für zwei TDs. Erstens die fast schon legendäre Schwäche der Fins in der Coverage gegen Tight Ends. Mit 62 Yards und zwei TDs wird der Sohn der legendären Dolphins-#99 aber auch ausreichend eingesetzt. Ja, der Sohn von/ausgerechnet der – was auch immer man da anbringen möchte. Apropos Anbringen: generell bringt Geno Smith den Ball heute bei Omar Cooper an, der von der Miami-Secondary nie in den Griff bekommen wird. 15 Receptions für 115 Yards, ein TD – 5 von 5 targets kommen auch an. Dieses Duell entscheidet der Jets-WR regelmäßig für sich. Mit Ausnahme einer Situation im zweiten Jets-Drive.
Nachdem die „grünen Flugzeuge“ nämlich ausgeglichen und die Dolphins in einem sehr geduldigen und 7:30 Minuten andauernden Drive mit 14 Plays die erneute Führung durch Ollie Gordon erzielt und in der Zwischenzeit im „KPG“ durch Willis-Pässe auf Washington und Dulcich geglänzt haben, sind die New York Jets wieder im Angriff und das sieht eigentlich auch recht akzeptabel aus. Bis Geno Smith dann an Miamis 20 circa wieder Taylor finden möchte und dies durch einen (ubedrängt) verhunzten Pass zunichte macht. Den kann mit Michael Taaffe ein weiterer Dolphins-Rookie abfangen. Nicht so dominant wie in den letzten Spielen, was auch für Jacob Rodriguez (lediglich vier Tackles) und Chris Johnson (wird von Cooper gut abgekocht) gilt. Aber in der Aktion ist der Absolvent der Texas Longhorns (Taaffe) hellwach und intercepted den gegnerischen QB. Es sollte der einzige Turnover des Spiels bleiben und somit als Plus mit auf die Rookie-Karte wandern. Taaffe sorgt zudem für eine weitere Pass deflection und drei Tackles, kann aber einen TD in seiner Coverage nicht verhindern. Generell solide, aber nicht so stark wie zuletzt.

Nach zwei kurzen Drives im Anschluss sind dann die Dolphins wieder in die Red Zone unterwegs. Dieses Mal werden sie scheinbar durch einen Punt hinten rein gedrückt, starten an der eigenen 9. 15 Plays, 8:30 Minuten und 91 Yards später schlägt dann die Stunde von Malik Willis, der dem Druck nach links ausweicht und sich nur wenige Yards später gegen das Tackle an der Goal Line durchsetzen und einen TD mit den Füßen erzielen kann. Im Drive davor findet er vor allem Dulcich mit zwei mid range-Pässen, den Rest „regeln“ die Miami Dolphins über den Lauf und konstanten Raumgewinn. In dieser Phase des Spiels sieht es so aus, als hätte man alles im Griff. Die Jets, den Ball, die Uhr (die man fast gänzlich auf Zero bringt) – dominanter Dolphins-Football, der mit 21:7 in die Halbzeit führt.
Die zweite Halbzeit ist dann recht schnell zusammengefasst. Die Jets besinnen sich auf ihre Stärken und die (an diesem Tag) Schwächen der Miami-Defense. Ihnen gelingt es drei Mal in Folge, den Angriff der Fins zu stoppen und Malik Willis die Sicherheit und Zeit zu nehmen. Drei Punts sind die Folge und (eigentlich) auch drei Scoring drives der Jets. Allerdings findet Ex-Fins-Kicker Jason Sanders seine Liebe zum alten Team kurzzeitig wieder und setzt einen der beiden FG-Versuche nicht zwischen, sondern an die Stangen. So steht es neun Minuten vor Schluss auf einmal wieder 21:17 – und es kommt der große Auftritt von Caleb Douglas. Die Jets können nur noch einen TD und eine erfolgreiche 2 Point-Conversion entgegensetzen und den Angriff der Dolphins kein weiteres Mal aufhalten. Im letzten set of Downs wird es zwar nochmal richtig eng (Ollie Gordon sorgt erst für 14, dann für 7 Yards, so dass nur noch ein 1st down fehlt. Bei 3. und 2 scheitert die #0 knapp. Jeff Hafley zeigt aber Mut bzw. Risiko und lässt ausspielen). Der HC vertraut seiner O-Line und Malik Willis – die den letzten Zweifel ausräumen, so dass letzten Endes die Miami Dolphins in victory formation das Spiel beenden und den ersten Sieg eintüten können.

3. DAS FAZIT
Man merkt auch in diesem Spiel recht deutlich, dass QB Malik Willis die Konstanz abgeht. Sehr gute Phasen wechseln sich mit weniger guten ab. Wenn die Protection hält, ist er durchaus in der Lage, ein Spiel zu kontrollieren und gute Pässe an den Mann zu bringen. Leider zeigt sich auch in diesem Spiel das Ungleichgewicht der offensiven Linie und die Tatsache, dass RT Austin Jackson vielfach (nach den ganzen Verletzungen) nicht mehr schnell genug für die NFL zu sein scheint. Alles Andere in der Offensive scheint sich aber so langsam zusammen zu finden. RB Ollie Gordon in den letzten drei Wochen mit 290 Yards und drei TDs zeigt deutlich auf, wie gut der RB room in Miami sein kann. Das dazu passende run blocking tut sein Übriges dazu. Im Catching dürfen sich Chris Bell und Caleb Douglas gern noch weiter akklimatisieren, TE Dulcich wieder mehr ins Pass-Spiel eingebunden werden. Dann sollte die Offensive zumindest recht ordentlich produzieren können.
Defensiv merkt man sehr deutlich, wie sehr der Miami-Defense ein oder mehrere pass rusher abgehen. Chop Robinson alleine kann nicht alles machen (er führt die NFL mit einer pressure rate von 23,4% bei mindestens 100 rushes an – das war es aber auch. Viele Teams haben zwei bis drei gefährliche Akteure, Miami hat nur Chop. Malik Herring hat jetzt in einem (!) Spiel aufhorchen lassen – abwarten, ob dies konstant zu einer zweiten „Speerspitze“ führt. Gleiches gilt in der Secondary. Johnson darf Rookie-Fehler machen, der geht seinen Weg. Das Gleiche gitl für Taaffe, Marshall und Trader. Hier fehlt es aber noch an mindestens einem gestandenen und qualitativ hochwertigen Spieler. Hat der Gegner mehr als ein primary target, wird es für die Dolphins eng. Natürlich gilt das erst für nach der Saison, aber das Spiel am Sonntag hat gezeigt, dass man mit einem mittelmäßigen QB mit der Mittelklasse der NFL jetzt schon mithalten kann. Das man eben nicht straight auf Platz 32 gebucht ist. Wenn man diese Entwicklung weiter vorantreibt, lassen sich erste gute Ergebnisse erreichen. Der Sieg gegen die Jets hat dies schon einmal deutlich unterstrichen und aufgezeigt.


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