Was Theodor Fontane mit den Miami Dolphins zu tun hat

Der Kampf um die Krone der AFC East und die Playoff-Hoffnungen der Miami Dolphins

WAS: NFL WEEK 15: Miami Dolphins (8-5) @ Buffalo Bills (10-3)

WANN UND WO: Sonntag, 18.12.2022, 2:15 Uhr deutscher Zeit im Highmark Stadium, Orchard Park/NY

WO ZU SEHEN: Standard-Übertragung durch den NFL Game Pass. Zusätzlich überträgt DAZN live.

Schönen guten Tag. liebe Football-Fans! Die NFL-Saison und das Jahr biegen auf ihre Zielgerade ein und das Flagschiff der Miami Dolphins segelt den Playoffs entgegen. Dabei ist es aber keine ruhige Fahrt und alles andere als einfach. Die ersten beiden Etappen der Auswärts-Tour waren weniger erfolgreich, so dass man aus der San Francisco/LA-area nichts Zählbares mitnehmen konnte. Nun nimmt man also Kurs auf Buffalo, um sich mit dem AFC East-Rivalen zu messen und zu verhindern, dass sowohl der eigene losing streak fortgesetzt wird als auch die Bills bereits in der Nacht zum Sonntag sich die Divisions-Krone beinahe endgültig aufsetzen können (ihren PO spot hätten sie sicher, die Krone wäre ihnen nur mehr theoretisch zu nehmen). Das Schiff hat gerade vorne schwer Schlagseite erlitten und muss wieder auf Kurs Play-Offs gebracht werden. Es wird sich also zeigen (und hier der Bildungs-Auftrag), ob Mike McDaniel eher ein Edward John Smith oder John Maynard als Kapitän darstellt.

Dabei wäre das naheliegende Über-Thema des Rückspiels von Spieltag 3 sicherlich das Wetter. Ganz im Gegensatz zum Hinspiel – mit seinen tropischen Temperaturen und dem hitzebedingten Abnutzungs-Kampf – sind für das Spiel Schneefall und eine den Rasen bedeckende Schnee-Schicht vorhergesagt. Um sich darauf in Ansätzen einstellen zu können, wurde in Miami die Trainingshalle ordentlich heruntergekühlt. Nicht, dass dies als Ausrede bei einer eventuellen Niederlage dient. Eine weitere diesmal konträre Parallele bietet sich beim Blick auf die Safety-Situation. Im Hinspiel fielen ja bei den Herren vom Eriesee die Star-Spieler Jordan Poyer (diesmal dabei) und Micah Hyde aus. Diese Lage hat sich nun deutlich entspannt. Zwar fällt Micah Hyde bis zum Saison-Ende aus und auch die Edge rusher AJ Epenesa, Von Miller sowie DT Jordan Phillips sind nicht mit an Bord. Dennoch ist die Lage weniger dramatisch als in Woche drei.

Bei den Dolphins nun haben sich Eric Rowe und Elijah Campbell abgemeldet. Im aktuellen roster stehen damit – nach den diversen ohnehin akuten Abwesenheiten – noch drei Safeties und fünf Cornerbacks zur Verfügung. Fejedelem, McKinley, Holland (der Gag mit „Snowman“ und dem Wetter bleibt liegen, der ist mir zu doof :-P) sowie Howard, Kohou, Crossen, Bethel und Noah Igbinoghene. Nicht gerade das, was man eine Elite-Secondary nennen würde. Ob Hilfe in Form von Jamal Perry, Tino Ellis oder Ka´dar Hollman aus dem practice squad etwas bewirken könnte, scheint fraglich. Zumindest könnte notfalls Justin Bethel als Safety eingesetzt werden und DC Josh Boyer erklärte in einer PB, Noah hätte am College bei Auburn schon einmal Safety-Erfahrung gesammelt. Diesen Ausfall wird Josh Allen testen und damit das Boot endgültig versenken wollen.

Der QB des derzeitigen AFC-Primus hat in den letzten Wochen immerhin seine Fehler-Anfälligkeit in der Red Zone in den Griff bekommen. Bei den letzten vier Siegen – ja, die Büffel schwimmen derzeit auf einem vier Spiele winning streak – konnte der ehemalige Passer der University of Wyoming 820 Yards, sechs TDs und nur mehr eine INT auf seinem stat sheet notieren lassen. Allerdings – und das ist die Chance der Miami Defense – sind Allens andere passing-Werte wenig beeindruckend. Seine completion percentage der letzten Wochen reicht von sehr schwachen 57% bis zu 67% und schwankt. Wie schwer es ihm allerdings die 21.beste Pass-Verteidigung der NFL nach Woche 7 wird machen können, darf mit Spannung betrachtet werden. Mit Stefon Digs, Gabe Davis, Isiah McKenzie, TE Dawson Knox und neuerdings auch wieder WR Cole Beasley, der in dieser Woche re-verpflichtet wurde, sind zumindest viele ausreichende targets vorhanden, die der Spielgestalter der Mannen von OC Ken Dorsey wird anwerfen können, Wenn er die Ziele dann besser bedient als dies im Hinspiel und in der letzten Woche der Fall war, dann darf sich zumindest Josh Boyer warm anziehen. Der DC aus Miami steht ziemlich unter Druck. Wenn es ihm nicht gelingt, seine defense einzustellen und Druck auf Allen zu kreieren (so wie dies im Hinspiel der Fall war), dann dürfte seine mittelfristige Zukunft geklärt sein und er von Bord gehen (müssen).

Josh Boyer kommen dabei drei Aspekte entgegen: Erstens die Schwäche der Buffalo-Offensive Line. Durch den Ausfall von Ryan Bates ist diese mit Sicherheit nicht besser geworden. Zweitens die Konstanz von Jaelan Phillips. Zwar kriegen die Fins es noch nicht konstant genug hin, mit ihrem four man pass rush eine protection des gegnerischen QBs untergehen zu lassen. Dennoch kommen sie an der ein oder anderen Stelle immer wieder durch. Allen wurde in dieser Saison bereits 28 mal gesackt. Das ist wesentlich mehr als in den letzten beiden Jahren zu diesem Zeitraum und bedeutet in der konsequent zu häufig, dass Allen nicht vernünftig passen kann und mobil werden muss. Dies könnte Miami zu seinem Vorteil ausnutzen. Gegen den Lauf der RBs sollte Miami gut stehen können. Die leidige Frage wird in erster Linie und damit ein key matchup sein, ob der nächste mobile QB seine Kerbe in der defense hinterlässt. Wenn es Sean McDermott schafft, ein konstantes und nachvollziehbares offensives Schema zu entwickeln, wenn Allen mit Hilfe einer akkuraten Pass-Weise (gerne auch die Mitte des Feldes attackierend, denn die Coverage-Qualitäten der Fins-LB sind dann doch etwas weniger furchterregend) seine targets bedienen und sich dem Druck von Jaelan Phillips entziehen kann, sieht zumindest das matchup dieser keys pro Buffalo aus und Miami darf sich nicht nur sprichwörtlich warm anziehen.

Kann Tua nach zwei schwachen Spielen eine Antwort geben und zu John Maynard werden?

Kann Miamis O-Line in diesem Spiel Räume blocken und Tua beschützen? Ansonsten droht erneut Schlagseite

Erst einmal vorweg: das Schiff brennt nicht, es geht nicht unter und Tua ist keine literarische Gestalt aus den Werken eines Theodor Fontane. Dennoch ist es – wie weilandt John Maynard – seine Aufgabe, das Team sicher durch schwere Zeiten am Ufer des Erie-Sees zu führen und einen Kurs zu halten, der die Playoffs bedeuten würde. Das hat an der Westküste nicht so geklappt, wie man erhofft hatte. Vielleicht ist es an einem Binnen-Gewässer ja etwas ruhiger und besser. Chicago, Cleveland, Detroit (und auch Green Bay übrigens) gehören zu einer Serie von Spielen gegen Teams an den „Great Lakes“ – und in dieser Serie stehen Tua und Miami bislang 4-1 – und damit sehr gut da. Ein gutes Omen? Wohl eher Zweckoptimismus – oder um Fontane zu zitieren „soll Rettung kommen, so kommt sie nur so – und (frei weiter gedichtet) noch zwei Tage bis Buffalo“ (aus dem Gedicht „John Maynard“)

Die Defense der Buffalo Bills hat die Blaupause eines erfolgreichen Defense-Konzepts gegen die McDaniel-Offense in den letzten beiden Wochen vorgeführt bekommen. Die Bills besitzen in der Theorie die coverage Linebacker, die den Fins die Mitte des Feldes und die dort in erster Linie angestrebten Routen „wegnehmen“ und das schnelle Spiel von Tua Tagovailo zum Kentern bringen können. Gerade Tremaine Edmunds und Matt Milano sind nicht nur im pass rush als zusätzliche Optionen gefährlich. Sie sind auch prädestiniert dafür, eben diese routen gut verteidigen zu können, die Mike McDaniel und Co. so gerne spielen lassen. Er und sein hawaiianischer Schützling müssen darauf vorbereitet sein und einen Plan B in der Tasche haben, sollten die Bills (oder das Wetter) ein vernünftiges Laufspiel erschweren. Die Jets (78 yards rushing), die Pats (60 Yards) oder die Lions (96 Yards) haben gegen Buffalo gezeigt, dass ein offensives Spiel auf dem Boden nicht gerade einfach ist. Aufgabe des Rookie-HCs wird es demnach schon in der Vorbereitung sein, sich hier vom Konzept her darauf einzustellen, um nicht sehenden Auges Schiffbruch zu erleiden. Kann Tua dem Druck standhalten?

„Ja, Herr, ich halt’s!“
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
jagt er die „Schwalbe“ mitten hinein.

Oder um es auf die Football-Sprache zu übertragen: und in die defensive Line der Bills, was LB und das DBs, jagt er die „speed brothers“ mitten hinein. Egal, wie anspruchsvoll die Aufgabe sein mag. Die Bills sind klarer 6.5 Punkte-Favorit. Sie kommen aus einer Sieges-Serie, während der Playoff-Kurs Miamis schwer schlingert. Den Bills wurde die Blaupause geliefert, wie man die explosive Fins-Offense bremsen kann. In der Secondary Miamis wird reichlich ausgedünnt. Das Wetter ist nicht „I wish it were hotter“, sondern „I wish it were cooler“ und in 9 von 10 Fällen wird Buffalo auch einen Sieg einfahren. Das heißt aber nicht, dass ein sweep der Büffel ausgeschlossen ist. Dafür war die Offense um Josh Allen zu wacklig und die Dolphins-Offense in der Theorie zu stark. Den Mutigen gehört der gerechte Lohn! Tua muss sich aus meiner Sicht nur nicht unter Druck setzen (lassen). Es spricht so ziemlich alles gegen die Fins und keiner wird einen Sieg in Orchard Park erwarten. Also verspürt er – anders als in den letzten beiden Spielen – keinen Druck. Ansonsten wird ab Samstag Nacht nicht nur das Wetter frostig werden, denn dann ist für eine Playoff-Teilnahme wohl „win out“ erforderlich. Vielleicht ist es ja eine spezielle Taktik, dass die Dolphins bekanntgegeben haben, beim zu erwartenden Schneefall in 2all white“ spielen zu wollen und lediglich Stutzen in Aqua zu tragen. Kann sich notfalls die letzte Absicherung defensiv im Schnee verstecken und TD preventer spielen (ich meine das schon mal bei Auburn – dab aber in blau – gesehen zu haben). Oder um es jetzt doch noch einmal aufzunehmen: bei Schnee ist es immer von Vorteil, einen Schneemann dabei zu haben. Zwangsläufig wird Jevon Holland dieses Spiel also mit einem Pick 6 entscheiden – mark my words ^^

#FinsUp!

Das Wetter in Buffalo zur Spielzeit Samstag Nacht

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