Die UDFA class of 2026 – auf der Suche nach einem neuen Kader Kohou

Kaum das am Ende des dritten Draft-Tages die 257 Spieler verteilt sind, beginnt der „Draft nach dem Draft“; die 32 Franchises haben die Möglichkeit ihre roster durch die nicht gedrafteten Spieler (die sog. UDFAs) aufzufüllen und so ein verstecktes Talent zu finden. In den letzten Jahren waren die Miami Dolphins hier nicht unerfolgreich; konnten doch so Spieler wie die CBs Kader Kohou, Nick Needham, WR Preston Williams, DE Cameron Wake oder OT Larry Little gefunden werden. Ligaweit muss man zu Kurt Warner wahrscheinlich nichts mehr sagen. Aber auch Wes Welker, Adam Vinitieri oder James Harrison fanden ihr Glück erst nach dem Draft. Wie sieht also die Klasse von 2026 aus, die in Miami versuchen werden, die Reihe fortzusetzen?

Die UDFAs der Miami Dolphins 2026 (Stand 27.04.2026)

  • Wisconsin LB Mason Reiger
  • Oregon State RB Anthony Hankerson
  • Louisville DL Rene Konga
  • Texas A&M RB Le` Veon Moss
  • Iowa QB Mark Gronowski
  • Michigan WR Donaven McCulley
  • SMU WR Romello Brinson
  • Indiana S Louis Moore
  • Western Michigan DL Rodney McGraw
  • Iowa State C Jim Bonifas
  • Boston College OL Kevin Cline

Mathematischer Einschub: 85+11 = 90?

Die Experten, die wissen, dass das roster der Miami Dolphins nach dem Draft 85 Spieler beinhaltete und die auch wissen, dass das Maximum der Spieler im roster bei 90 oder 91 Spielern liegen darf (es ist nicht ganz klar, ob der gedraftete TE aus dem International Pathway Program zu den 90 Spielern dazu gehören muss oder eben „zusätzlich“ ist – schlicht und ergreifend, weil vor ihm noch nicht viele Spieler aus dem Programm gedraftet wurden), werden aufgrund der Mathematik den Finger heben. Aber: die undrafted Spieler zählen erst unter die 90 Spieler, wenn sie offiziell gesigned haben. Miami hat also die Möglichkeit, andere Spieler aus dem roster zu entlassen, um die Grenze einhalten zu können.

EINORDNUNG DER EXPERTEN

Wenn man sich jetzt aber die Frage stellt, wie gut die einzelnen der elf UDFAs jetzt wirklich und wie ihre Chancen sind, das Saison-roster zu erreichen, kann man sich sowohl die verschiedenen Grades als auch die allgemeine Einschätzung der Experten und drittens ihre pre Draft-prediction zu Hilfe nehmen. Nehmen wir als Beispiel den Erstgenannten, LB Mason Reiger von Wisconsin. Von PFN wurde er in der sechsten Runde projected, PFF hatte ihn gar in den Top 150, auf dem Consensus big Board war er an 238 geranked. Allerdings muss man erwähnen, dass er in manchen boards (CBS) jenseits der 300 einsortiert war. Dem Konsens zur Folge war es aber überraschend, dass er nicht unter den 257 Auserwählten zu finden war. Hier ist den Miami Dolphins wohl ein talentierter junger 23-Jähriger in die Hände gefallen, der zwar das komplette Jahr 2024 wegen einer schweren Knieverletzung verpasste, aber dem zugetraut wird, das finale Roster der Fins erreichen zu können. Das liegt nicht nur an der Tatsache, dass die OLBs des Teams als nicht sonderlich stark eingestuft werden – das liegt vor allem an seinem Potential. Das NFL Netowrk hat ihn in den Top drei der besten verfügbaren UDFA-LBs (https://www.nfl.com/news/2026-nfl-draft-top-undrafted-rookie-free-agents-ranked-by-position), Reiger ist also ein Name, den man sich merken sollte.

Dies gilt auch für die Fortsetzung des „Texas streak“, RB Le´veon Moss von Texas A&M. Hier geht die range der Draft boards von 143 (ESPN) bis 264 (PFSN), im Consensus/Mittel liegt er rund um die 200. Als ehemaliger Highschool-Sprinter bringt er starke Antritts-Schnelligkeit und Explosivität mit; über seine Armlänge und seinen schmächtigen Körperbau wird man aber reden müssen. Für die NFL muss er da einiges draufpacken und dies erreichen, ohne seine Stärken zu verlieren. NFL Network und fast alle Experten haben ihn dennoch als bestmöglich signbaren UDFA-RB in den Listen zu stehen. Ob die einzelnen flashes in seiner Karriere sich aber konstant einstellen können, ist eine der großen Fragezeichen. Denn auch bei ihm kommen diverse Verletzungen in den letzten beiden Jahren (ACL, MCL, Knöchel) hinzu, die seiner Zukunft im Wege stehen könnten.

Safety Louis Moore hat da schon mehr Vorteile zu bieten. Nicht nur die Tatsache, dass er mit Indiana dieses Jahr die College-Meisterschaft gewann oder der Fakt, dass er bei den Dolphins auf nicht wirklich herausragende Konkurrenz auf seiner Position stoßen dürfte. Seine range auf den diversen Boards gehört zu den Krassesten bei den UDFAs. PFSN und Bleacher Report hatten ihn Ende der dritten Runde (!)/ USA Today führte ihn an 151/ CBS, ESPN oder The Athletic immerhin zwischen 207 und 229 – bei PFF wurde er aber fast bei 300 geranked. Was also sind die Fragezeichen bei dem 25-jährigen national Champion (richtig gelesen, das Alter ist eines dieser ???), dass er so massiv unterschiedlich eingeschätzt wird? Nichtsdestotrotz battled er sich mit Bishop Fitzgerald (USC) um den inoffiziellen Titel des „besten nicht gedrafteten Safety 2026“, er könnte also eines dieser hidden gems werden oder sein. Nicht umsonst findet man zu ihm Zitate wie „key piece of Indiana´s championship defense“ – wo liegt der Haken? Erst einmal hat er extrem kurze Arme (3rd percentile – nur 3% haben kürzere), bringt super wenig Gewicht mit (nur 6% sind leichter) und ist mit 5´11 nicht gerade sonderlich groß (unter 1,80). Das hat er bei Indiana mit viel Awareness, Auge und Ball skills weitgehend wett gemacht, aber ob das in der besten Liga der Welt ausreichend ist, scheint hochgradig fraglich zu sein. Er ist einigermaßen langsam und wird einen DC benötigen, der ihn entsprechend seiner Stärken entwickeln und einsetzen kann. WENN das gelingt, reden wir hier über Kader Kohou 2.0 und einen sicheren lock im 53er-roster. Gelingt das nicht, von einem Kassierer bei Walmart (übertrieben gesagt). Sicherlich das spannendste Projekt der UDFA class, aber ich gehe davon aus, dass Hafley als defensive minded HC und sein DC Sean Duggan sich zutrauen, aus Louis Moore einen NFL-Spieler zu machen.

Natürlich haben auch andere der verpflichteten Spieler zu einem gewissen Grad Chancen auf das roster; die größten Aussichten dürften aber diese drei haben. Mason Reiger schafft es bei der von US Today aufgestellten Top ten auf den zweiten Platz (https://eu.usatoday.com/story/sports/nfl/draft/2026/04/25/nfl-draft-undrafted-free-agent-rankings-updates-2026/89798844007/), bei The Athletic ist er auf Position 12/Louisvilles DT Rene Konga an 15/Moss an 23 und Louis Moore an 24 (https://www.nytimes.com/athletic/7229730/2026/04/25/nfl-draft-2026-undrafted-free-agents/). Wenn also vier der UDFAs in den ersten 25 einsortiert werden und man The Athletic als seriöse Quelle zur Hand nehmen möchte, lässt sich mit Verlaub von einer verdammt starken Klasse sprechen. Letzten Endes wird sich aber in der Zukunft zeigen und man kann von einer starken Klasse sprechen, wenn einer der derzeitigen Kandidaten es ins finale roster schafft. Kader Kohou hatte damals auch niemand auf der Rechnung und er kann mit Recht auf eine bisher recht ansehnliche Karriere zurückblicken. Die Miami Dolphins haben ihr Mögliches versucht, seine(n) Nachfolger zu finden. Ob das jetzt Konga, Moore, Moss oder Reiger sein werden…

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