Die nächsten releases im Vorfeld der Free Agency

Wie die Miami Dolphins heute bekanntgaben, haben im Vorfeld der in knapp einer Woche beginnenden neuen NFL-Saison und Free Agency signing und re-signing-Phase weitere Personal-Entscheidungen getroffen. Diese Trennungen von zwei altgedienten Veteranen lassen sich in zwei Ebenen zusammenfassen und sind (zumindest finanziell) ähnlich gelagert. Denn beide Spieler wären in die 2026er-Saison gegangen mit einem cap hit von 5,055 Millionen Dollar (Alec Ingold) bzw. 4,581 Millionen Dollar (Jason Sanders). Das ist für ein Team, das sich am Rande des cap hits bewegt, natürlich von alleine schon eine schwere Hypothek. Sportlich sind die beiden Fälle aber durchaus mit verschiedenen Argumenten zu begründen – überraschend kommt diese Trennung nämlich auch sportlich nicht gerade.

I. Der Fullback, den es (nicht?) brauchte – Alec Ingold

Nach drei Jahren bei den Oakland/Las Vegas Raiders wechselte der damals 26-jährige Fullback Alec Ingold zu den Miami Dolphins. Er war damit eine der ersten Personal-Entscheidungen von Mike McDaniel zu Beginn seiner Amtszeit bei den Dolphins. Man bekam aber in den vier Jahren in Miami mehr als ein mal den Eindruck, dass Ingold (der in vier Jahren knapp 400 Scrimmage Yards und 3 TDs erzielen konnte) nicht wirklich sein volles Potential in der Offense entfalten durfte oder konnte. Seine Klasse blitzte immer mal wieder auf – und die Leistungen der Miami Dolphins Running backs der letzten Jahre wurden durch ein starkes Blocking-Spiel Ingolds mehr als ein mal wesentlich unterstützt. Dennoch hinterließ sein Spiel bei vielen Beobachtern immer wieder ein „da geht doch noch mehr“ – Gefühl. Wenn jetzt also Jeff Hafley, sein Offensive Coordinator Bobby Slowik und die anderen Coaches nicht mehr auf einen Fullback im System setzen sollten, ist eine Trennung auch sportlich zwangsläufig. Zu bemerken ist aber, dass „AI“ in immerhin 66 Spielen für die Miami Dolphins stets alles gegeben und sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Sicherlich eine Trennung mit einem weinenden Auge – wenn man auch konstatieren muss, dass die Einsparung von über 3 Millionen Dollar ein wesentliches Argument gewesen sein dürften. Wobei diverse beat writer von Verhandlungen berichten, dass sich die beiden Parteien nicht einig werden konnten.

II. Der ständig kritisierte Superstar (?) – Kicker Jason Sanders

Nach seiner vollständig verpassten 2025/26er-Saison war offensichtlich der finanzielle Aspekt auch ein starkes Argument, sich von Publikums-Liebling und 2020 All Pro Jason (Thomas) Sanders zu trennen. Einsparungen von knapp 4 Millionen Dollar bildeten eine sehr große Hypothek des langjährigen Dolphins. 2018 (!) in der siebten Runde von New Mexico an Position 229 gedraftet, lief Sanders seitdem in 116 Spielen für die Miami Dolphins auf. Acht Jahre später geht sein Weg nun also zu Ende. Wenn man von „Schwäche“ bei Jason Sanders sprechen will, gehörten dazu die langen Field Goals. In seiner Karriere konnte er 55 von 70 40-49 Yards Fieldgoals sowie 33 von 48 Fieldgoals (69%) von über 50 Yards erzielen. Zum Vergleich: Justin Tucker steht bei 120 von 136 FGs (88%) 40-49 Yards und 64 von 96 (66%) aus der langen Distanz. Genau das wurde Sanders in seiner Zeit bei den Dolphins aber immer mal wieder vorgeworfen und manchem Kritiker konnte er es nicht recht machen. Eine langwierige Verletzung, das Ende von Mike McDaniel und der finanzielle Aspekt wirkten aber zu schwer, als dass eine Weiterbeschäftigung von Sanders in Miami realistisch gewesen wäre.

Letzten Endes bleibt der 30-Jährige aber stets Teil der Franchise-Geschichte. Nicht alleine deshalb, weil er hinter Olindo Mare und Garo Yepremian (830) mit 826 Punkten auf Platz drei der Miami Dolphins in jemals erzielten Punkten steht. Darüber hinaus steht er mit drei Saisons in den Top vier der Miami Dolphins Single-Season Scoring Summary. 144 Punkte in der Saison 2020 bedeuten – gemeinsam mit der 1999er Saison von Olindo Mare – den Spitzenwert. 2023 (130) und 2024 (138 Punkte) folgen nur wenig schlechter. 23 consecutive Field Goals (2024) sind zudem ein weiterer Franchise record, der mit dem Namen Jason Sanders verknüpft werden kann. Das ist aber bei Weitem nicht alles und sicher nicht das, an das die Miami Dolphins Fans als Erstes denken werden.

Seinen absoluten Kult-Status erlangte Jason Sanders durch seine Teilnahme am „Mountaineer shot“ – ein Spielzug, der auf ewig mit dem gebürtigen Kalifornier verbunden sein wird.

Miamis langjährige Nummer sieben hatte, das werden viele DolFans noch mit Wehmut in Erinnerung haben, am 1. Dezember 2019 beim Heimspiel gegen die Philadelphia Eagles eine 42 Jahre andauernde Durststrecke in der NFL durchbrochen und als Kicker einen Touchdown gefangen. Was diesen Spielzug zusätzlich ikonisch macht, ist die Tatsache, dass der Pass von Punter Matt Hack zu Sanders geflippt wurde und das ganze Hard Rock stadium zum Explodieren brachte. Die NFL würdigte diesen Spielzug als „NFL 2019 play of the year“ – und die Miami Dolphins würdigen die Verdienste des heute 30-Jährigen.

Es bleibt abzuwarten, welche der aktuell noch 52 Spieler unter Vertrag als nächstes noch die Miami Dolphins verlassen wird, bevor ab Montag mit eigenen Free Agents verhandelt und mit anderen Spielern ohne Vertrag neue Contracts ausgehandelt werden können. Miami hat derzeit 37 Free Agents, mit denen man weiter arbeiten könnte. Jason Sanders und Alec Ingold werden höchstwahrscheinlich nicht dazu gehören, wenn auch eine kleine Hoffnung bleibt. Es könnten ja mit beiden auch günstigere Verträge neu vereinbart werden. Gerade Jason Sanders dürfte aber ohne Probleme in der NFL auch andere Angebote bekommen.

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