WAS: NFL WEEK 9 – DETROIT LIONS (5-2) @ MIAMI DOLPHINS (1-6)
WANN & WO: Sonntag, 08.11.2026, 19:00 deutscher Zeit im Hardrock Stadium, Miami Gardens/FL
WO & WIE ZU SEHEN: Dieses Spiel wird auf RTL übertragen (Stecker/Edebali); zusätzlich natürlich beim GamePass

Nach dem Regen kommt wieder Sonnenschein…Wenn man sich die schweren Regenfälle während der Heimniederlage gegen die New England Patriots als literarische Grundlage betrachtet, steht den Miami Dolphins vor dem nächsten Heimspiel am Sonntag gegen die Detroit Lions eine strahlende Zukunft bevor – oder etwa doch nicht? Gegen das Team aus der NFC North sind die Miami Dolphins sicherlich auch auf die äußeren Umstände angewiesen, um einen klaren Playoff-Contender mit deutscher Komponente in die Schranken weisen zu können.
Ein (traditioneller) Blick in die Vergangenheit der Duelle gegen das Team aus „Motown“ sieht zumindest die Mannschaft aus dem Süden Floridas vorne. Das erste Duell endete im Jahr 1973 mit 34-7 für die Dolphins, das letzte Aufeinandertreffen vor vier Jahren sah ebenfalls die „Fins“ als Sieger. Tua Tagovailoa spielte groß auf und entschied mit einem 138er-rating und drei TDs den Vergleich mit Jared Goff deutlich für sich. Das Kuriose daran: in der zweiten Hälfte machten die Lions dabei keinen einzigen Punkt mehr; Miami konnte die zur Halbzeit mit zehn Punkten schlechte Begegnung mit zwei TDs (Gesicki catch, Ingold run) noch herumreißen. 14 Punkte ohne Antwort.
Dieses „Schicksal“ ereilte in der letzten Woche im AFC East mit den Herren aus Boston auch die Miami Dolphins. Führte man zur Halbzeit noch souverän mit 13:3, konnte man in der zweiten Hälfte dem Team von Mike Vrabel nichts mehr entgegensetzen und verlor (teilweise selbstverschuldet) mit 19:24. Aber nicht nur deswegen sind die Fins am Sonntag gegen die Truppe aus Michigan klarer Außenseiter. Der Bundesstaat hat zwar seit dieser Woche einen neuen Senator – der Chefcoach der Lions ist aber seit sechs Jahren konstant Dan Campbell. Der kehrt am 9. Spieltag zu seinem alten Team zurück. Im Jahr 2015 hatte er die zweifelhafte Ehre, die Miami Dolphins in insgesamt 12 Spielen (5-7) als Cheftrainer zu betreuen; der ehemalige Tight End der Giants, Cowboys und Lions ist in Miami also beileibe kein Unbekannter. Aber nicht nur das: für Dolphins-Coach Jeff Hafley ist die Entwicklung der Lions unter Campbell beispielgebend und als Vorbild zu sehen. Von einem record von 3-13 und einem Aufbau hin zu einer winning culture und Playoff-Erfolgen soll es auch für die Miami Dolphins gehen. Generell loben sich die beiden Übingsleiter und die jeweilige Arbeit in allerhöchsten Tönen. „Es erinnert mich an das, wo wir herkommen“, sagte Dan Campbell über die aus seiner Sicht genau richtige Arbeit von Hafley bei den Dolphins bisher.

BESONDERE UMSTÄNDE
Wenn der Kickoff des NFL-Spiels am Sonntag vonstatten geht, wird auch der Name von Lions-LB Jack Campbell eine wichtige Rolle spielen. Der Spieler hatte in der letzten Woche beim Erfolg gegen die bis dahin ungeschlagenen Minnesota Vikings (damit durfte bei den 1972er Dolphins in Perfectville der Schampus geköpft werden, da die NFL auch in 2026/27 kein zweites „perfektes“ Team mehr sehen wird) eine schwere Nackenverletzung erlitten und mit sehr Besorgnis erregenden Bildern die gesamte NFL geschockt. Immerhin konnte sich der Spieler selbst aus dem Krankenhaus melden und berichten, dass er langsam – aber positiv – auf dem Wege der Besserung sei und seinen „Unterkörper uneingeschränkt bewegen“ könne. Er mache zudem „auch bei der Beweglichkeit meines Oberkörpers weiter Fortschritte“, was eine sehr gute Nachricht darstellt. Im Spiel gegen die Dolphins wird er natürlich nicht auf dem Platz stehen können – im Geiste ist er aber (das machten auch Aussagen seines Trainers deutlich) als positive Motivation mit auf dem Platz.
Ob Jaylen Wright (Quad injury) und Kadyn Proctor (noch im Concussion protocol) am Sonntag auf Seiten der Dolphins im roster stehen werden, war Stand Donnerstag 18 Uhr nicht klar. Proctor konnte am Mittwoch im Gegensatz zu Wright immerhin schon wieder trainieren; auf Seiten des Teams aus der Motorstadt Detroit fehlten neben Campbell auch Center Cade Mays, DE DJ Wonnum sowie die beiden CBs DJ Reed und Brian Branch (trainierte teilweise mit, ist aber wie Proctor noch im Concussion protocol gelistet). Einige weitere Spieler auf beiden Seiten schlagen sich mit leichten Blessuren herum, waren aber immerhin beim Training mit dabei.

DIE „DEUTSCHE KOMPONENTE“
Dieses Merkmal gilt auf Detroits Seite vor allem für WR Amon-Ra St. Brown. Der jüngst 27 Jahre alt gewordene Deutsch-Amerikaner ist wesentlicher Teil der Offense von Lions-OC Drew Petzing. Im Kombination mit Veteran Jared Goff und RB Jahmyr Gibbs kommt da eine echte „Welle“ auf die Miami Dolphins zu, die in der NFL zu den besten Offensiven zählen darf. Die Kategorien Punkte pro Spiel (29 im Schnitt, Platz drei der Liga), Pass Yards pro Spiel (knapp 265 und damit Rang vier) sowie rushing Yards pro Spiel (knapp 130, Platz 7) führen zu beinahe 400 Yards Produktion im Schnitt. Das Sigel „beste Offensive der NFL“ haben sich die Lions damit auf jeden Fall erworben. Gegen die von Brian Flores trainierte Super-Defense der Vikings standen letzten Endes 384 Yards zu Buche – und das ist mehr Qualitäts-Merkmal als es jede Saison-Statistik aussagen könnte. Auf die Defense der Miami Dolphins kommt damit jede Menge Arbeit zu.
Während im rushing game es aber eine One man – show von Gibbs zu sein scheint (773 Yards, 8 TDs in sieben Spielen), kann QB Goff nicht nur auf Amon-Ra zurück greifen. Zwar ist der das primary target (53/76 für 571 Yards und 5 TDs), aber auch Jameson Williams (437/5), TE Sam LaPorta (367/3), RB Gibbs (285/2) oder WR TeSlaa (197 Yards) stehen als valide Pass-Optionen zur Verfügung. Jared Goff kommt auch mit deren Hilfe auf 15 TDs, lediglich einer INT und einem 110er passer rating. Dies ist zur Zeit Platz fünf der NFL-Quarterbacks mit einer entsprechenden snap-Zahl. Auf die (sehr junge) Secondary der Dolphins kommt hier jede Menge Arbeit zu. Johnson, Taaffe, Brents und Marshall tragen dabei alle vier ein opponent passer rating von 100+ als Hypothek mit sich herum. Lediglich Dante Trader Jr. sticht positiv aus einer Secondary hervor, die bereits 16 gegnerische passing TDs (also mehr als zwei/Spiel) zugelassen hat. Zwei davon gingen letzte Woche auf Drake Maye. Hilfe des pass rush scheint also dringend erforderlich.

Viel wird wieder auf den 23-jährigen Chop Robinson ankommen. In der vergangenen Partie konnte der Defensive End der Miami Dolphins mit zwei sacks sein persönliches Konto auf vier in der Saison schrauben. 27 Pressures kommen noch hinzu und machen ihn gerade in passing downs zur (einzigen?) Gefahr auf der Jagd nach dem gegnerischen QB. Er gehört in seiner persönlichen brakout season wohl zu den Top 20 pass rushern der Liga; leider fehlt ihm etwas der Support. Josh Uche kommt als Robinsons Partner zwar auch auf 15 Pressures und zwei Sacks. Da er aber als quasi in zwei von drei downs (50 snaps mehr als „Chop“) gegen den Pass und gegen den Lauf eingesetzt wird, ist das etwas schmal. Hinter den beiden wird es ohnehin noch schwieriger. Nimmt man den oft gedoppelten Zach Sieler mit seinen zwei Sacks hinzu, steht die gesamte pass rush-Defense der Dolphins auf dem Platz. Außer den drei D-Linern kommen alle anderen Spieler zusammen auf einen (!) Sack – Malik Herring gegen die Jets. Es wird also darauf ankommen, dass hier Druck auf Goff ausgeübt werden kann. Weiteres „Problem“ dabei: die Protection der Lions ist ebenfalls die beste der Liga. Brian Flores und die Vikings als anderes Extrem im Vergleich zu Miamis pass rush kam auf vier (!) pressures, die allesamt über RT Blake Miller zustande kamen. Sollte C Cade Mays also spielfähig sein, dürfte die linke Seite ein Angriffs-Punkt sein. LT Penei Sewell (momentan einer der besten OTs der Liga), LG Mahogany (Top 10 der Guards) und RG Tate Rutledge (statistisch in den Top 20) sind als Dreh-Türen eher nicht zu erwarten.
Die Offensive Line ist aber nicht nur in der pass protection stark, sie kann auch RB Jahmyr Gibbs entsprechend unterstützen. Gerade in der zweiten Hälfte hatte die run defense der Miami Dolphins ja so ihre Schwierigkeiten. Hier ist sicher einer der keys to win begraben. Eine gute bis mittelmäßige Defensive gegen den Lauf sollte die Wege von Gibbs entsprechend einschränken. Ansonsten kann das Spiel am Sonntag eine ziemlich bittere Angelegenheit und die Offensive der Miami Dolphins zu einem Shootout gezwungen werden.

WO DER LÖWE ZAHNLOS IST
Denn wenn das Team von Dan Campbell eine Schwäche hat, dann ist es die Defensive. Natürlich macht die Offensive ihre Punkte – das muss sie aber auch. Die Vikings und die Packers haben unter 20 Punkte gegen Detroit erreicht – die fünf Gegner davor nicht. 25,7 Punkte gibt das Team im Schnitt ab und zählt damit zu den Teams in direkter Umgebung der Dolphins (die geben 25,9 ab im Durchschnitt) in dieser Kategorie. Während sie einige sehr gefährliche pass rusher in ihren Reihen haben (Hutchinson und Wonnum je 5 sacks, McNeill 4.5, Barnes 3, Gill-Howard 2 – insgesamt 24 Sacks! Kein Vergleich zu Miami) und gegen den Lauf noch ganz passabel sind (sie lassen unter 100 Yards pro Spiel zu), ist die Pass-Verteidigung dead last in der NFL. Es wird also auf Malik Willis und Miamis Offense ankommen, dies ausnutzen zu können. Wer immer in die Duelle mit Reed, Ya-Sin, Reader oder McCreary geschickt wird – wenn man den Safety Chuck Clark (der spielt eine gute Saison) umgeht, kann man den Lions durchaus weh tun. 18 gegnerische passing TDs bedeuten nun mal auch mehr als zwei pro Spiel. Wenn es gelingt, sowohl die TEs (vor allem Greg Dulcich) als auch die jungen WR (Malik Washington, Chris Bell, Caleb Douglas und Kevin Coleman haben ja durchaus gute Ansätze gezeigt und kommen immerhin auf einen TD/Spiel) variabel einzubinden und die Targets zu verteilen, sollten die Dolphins auch der Defensive von Kelvin Sheppard weh tun können. Der Ersatzmann von LB Jack Campbell muss sich ja auch erst einmal beweisen, so dass die Mitte des Felds sicherlich offener sein könnte; in diesen Raum könnte man vor allem „Dulle“ ruhig noch öfter beordern. Hier sollten Jeff Hafley und sein OC Bobby Slowik eventuell tätig werden und einen variablen game plan entwickeln können.

Same Procedure as every year oder Meilenstein – Die O-Line
In der letzten Woche war das Fehlen von Kadyn Proctor schmerzhaft zu merken. Die pass protection gegen die Patriots war zwischenzeitlich beeindruckend nicht vorhanden. Besonders die rechte Seite (RG Jonah Savaiinaea mit einem pass protection-grade von 58.8, RT Austin Jackson mit 48.5 und Center Aaron Brewer – 44.6 – mit richtig schlechtem Spiel) ließen sich ein ums andere Mal schlagen. Im run blocking sah es nicht viel besser aus. Das muss gegen die Lions erheblich besser werden. Helfen könnte dabei Guard Jarret Kingston, der als LG eine sehr gute Figur machte und damit auch in seinem zweiten Auftritt einen positiven Eindruck hinterließ. Vielleicht könnte man ihn auf der rechten Seite partiell einsetzen und Savaiinaea ein wenig entlasten. Die Sechser-Rotation hat sich mit dem 26-Jährigen zumindest deutlich verbessert. Mit einer Rückkehr von Proctor, einem besseren Spiel von Brewer sowie dem Einbau von Kingston bliebe RT Austin Jackson als deutlicher Schwachpunkt übrig. Der ist im pass blocking inzwischen auf dem Boden der NFL angekommen und Letzer in der Tackle pass protection. Für den Lauf ist er noch einigermaßen positiv, alles andere ist leider einfach nicht gut. Verletzungen nagen weiter an ihm, man merkt ihm die fehlende Spritzigkeit deutlich an. Über seine Seite ist aber auch durch Detroit einiges an Druck zu erwarten.
Apropos tätig werden: dies wurden Hafley, sein QB und andere Team-Kollegen schon in puncto Ollie Gordon. Wenn man den turning point der Partie gegen die Pats an einer Situation festmachen wollte, dann an der (vollkommen unnötigen) Taunting-Strafe gegen den 22-jährigen Running Back. Statt an der eigenen 40 Yard-Line und einem 3. Versuch und 5 Yards fand man sich bei 13-10-Führung an der eigenen 25 mit 3. und 20 Yards zu gehen wieder. Man gab den Ball ohne Punkte ab und Drake Maye entfaltete seine Magie – Führung weg, Momentum gekippt, Spiel verloren. Natürlich hat Ollie nicht alleine die Schuld daran – passieren darf ihm das in Zukunft dennoch nicht mehr. Vielmehr sollte nach einer eher schwachen Leistung gegen die Patriots (nur 74 rushing yards bei 23 Versuchen insgesamt, Gordon bei 19 carries für 69 Yards auch unter 4 Yards/Carry ziemlich schwach) eine entsprechende Antwort gegeben werden. In den drei Spielen davor konnte er ja immerhin knapp 90+ Yards erzielen. Für die offensive Produktion und Entlastung von Malik Willis wäre ein zumindest halbwegs intaktes Laufspiel sicherlich wichtig; sollte es tatsächlich auf eine Offensiv-Schlacht hinaus laufen, wird man Entlastung durch die RBs bitter benötigen.

FAZIT
Die Miami Dolphins sind am kommenden Sonntag der klare Außenseiter und wenn alles den normalen Verlauf nimmt, wird es auch eine deutliche Niederlage geben, der erste Heimsieg in dieser Saison weiter auf sich warten lassen. Jared Goff wird seine Form als potentieller MVP-Kandidat weiter untermauern und gemeinsam mit Jahmyr Gibbs, Amon-Ra St. Brown und seinen Receiver-Kollegen richtig einen aufspielen. Die Miami Dolphins und Malik Willis werden eins ihrer besseren Spiele offensiv anbieten können, aber im Verlauf des Spiels den Anschluss verlieren und es kann eine derbe Packung hageln. Es braucht schon eine gute Leistung der Dolphins an den Trenches, um dieses Szenario ein bisschen verändern zu können. In der Regel sind Chris Johnson und seine Secondary-Jugend-Unit deutlich unterlegen und zahlen Lehrgeld. ABER: wenn es den Miami Dolphins gelingt, offensiv weiter Zeit von der Uhr zu nehmen, die Lions-Offensive vom Feld zu halten und den Ball zu bewegen, kann es zumindest eine enge Kiste werden. In einem einstelligen Prozent-Bereich weicht dann der Gameplan von Dan Campbell und Co. derart von der Normalform ab, dass es für das Team aus Michigan zu einem trap game werden kann. Davon ist aber nicht unbedingt auszugehen. Von daher wird das Spiel in die Reihe der „Lerneffekte“ einsortiert werden und die Entwicklung der jungen Mannschaft von Jeff Hafley wird über das Ergebnis hinaus beurteilt werden (müssen) – es sei denn, dass der „Movember“ eine Überraschung bereit hält und das Heimteam auftrumpfen kann. Genießen wir als Fans einfach den Sonntag mit Dolphins-Football und mit geringsten Erwartungen steht vielleicht eine positive Überraschung vor der Tür.


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